"Crichton, I am normally unaffected by females during a crisis...it is just...it has been so long..."
- Ka D'Argo (Back And Back And Back To The Future)
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Bent

Von Ann Harrington



Autor: Ann Harrington

E-mail: NGMA607@aol.com

Übersetzung: Bastet-X, E-mail: Bastet-X@gmx.de

Kategorie: Action [D]

Rating: PG 13

Spoiler: komplette 2. Staffel, einschließlich „Die me, Dichotomy“

Inhalt: wie es nach dem Finale der 2. Staffel auch hätte weitergehen können....

Anmerkung:

Disclaimer: Farscape is owned by The Jim Henson company, Hallmark Entertainment, Nine Network Australia and the Sci-Fi Channel. They own all rights to characters mentioned within this story. I have merely borrowed these characters to play with, and promise to return them in good working order.





Ich warte während er schläft, erschöpft von seinem letzen Anfall.

Ich will ihn hassen.

Ich muß ihn hassen.

Einst war es alles so simpel. Er war mein Feind, ein Mörder. Ich haßte ihn und hatte geschworen ihn zu zerstören, ungeachtet dessen was es kostet. In diesen Tagen bewahrte ich mir meinen Zorn, indem ich ihn in mir einschloß wie Chakan-Öl in einer Flasche. Und es brauchte nichts anderes als seine Gegenwart um ihn erneut zu entfachen.

Aber das war damals. Vorher.

Vor der Gammak Basis. Vor dem Aurora-Stuhl.

Bevor ich dazu gezwungen wurde, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, die ich schon so lange vor mir selbst verbarg.

Ihn für alles verantwortlich zu machen, erlaubte es mir, mich vor meiner eigenen Schuld zu verstecken, vor meiner eigenen Verantwortung. Warum sollte ich mir auch über meine eigene Schuldhaftigkeit Gedanken machen, wenn ich ein so vorzügliches Ziel für meinen Zorn hatte?

Während die Zeit verging, begann ein Teil von mir zu vermuten, daß die Dinge nicht so einfach waren, wie sie zuerst erschienen. Die Kollision war mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Unfall, oder eher eine unfreiwillige Attacke. Aber noch immer hielt ich an meinem Haß fest. Er war ein Nicht-Sebacianer, eine fremde Kreatur, die man verachtete. Er hatte kein Recht zu leben, kein Recht zu existieren, in einem Universum, in dem mein Bruder tot war.

Ich wollte daß er litt, so wie ich gelitten hatte.

Er verdiente es zu sterben. Ich wiederholte diese Litanei im Geiste wieder und wieder, bis ich gezwungen war, mich meinen eigenen Erinnerungen im Aurora-Stuhl zu stellen.

Kein Mann sollte so tief in seine eigene Seele sehen, und in das was ihn antreibt. Der Mann der diesen Stuhl wieder verließ, war nicht der selbe rachegetriebene Peacekeeper-Captain, den man dort hineingezwungen hatte.

Ich fühlte mich leer. Hohl. Und ich wußte, daß ich es nicht fertig brachte, ihn zu töten. Er war nicht verantwortlich für die tragische Sinnlosigkeit des Todes meines Bruders.

Und es regte sich eine weitere neue Emotion in mir. Eine widerwillige Sympathie für ihn. Er hatte den Stuhl für viele Arn ertragen, während er über mehrere Tage gefoltert wurde. Keine Strafe, die ich ihm zufügen konnte, würde dem, was er durchgemacht hatte, gleichkommen. Und alles nur wegen seiner Suche nach dem Wurmlochwissen, und dem besessenen Wunsch zu seiner Heimatwelt zurückzukehren. Ich fragte mich, ob er die Sache immernoch für wert hielt.

Später stellte ich fest, daß ich ihn falsch eingeschätzt hatte. Er kam nicht um seinetwillen zur Gammak-Basis, sondern für jemand anderen. Er riskierte sein eigenes Leben, um ihres zu retten.

Und noch viel später erfuhr ich, daß der Aurora Stuhl nur der kleinste Horror unter denen war, die er sonst noch zu ertragen hatte.

Aber da war es schon zu spät.



Sie hatten ihn vor Scorpius gerettet. Ein weiteres Mal. Aber die Kreatur, die sie retteten, war nicht mehr ihr Freund, nicht der Mann den ich einmal kannte.

Diese Kreatur war mehr als halbverrückt. In seinen wenigen lichten Momenten bettelte er seine Freunde an, ihn zu töten.

Sie weigerten sich, überzeugt davon ihm helfen zu können. Er wußte es besser. Er verriet ihren Aufenthaltsort an die Peacekeeper und griff seine Freunde an, als sie versuchten einzugreifen. Erst als ich den Schrecken selbst sah, der von ihm Besitz ergriffen hatte, begriff ich, was man ihm angetan hatte.

Er schien beinahe erleichtert zu sein, als der Diagnosan erklärte, daß er nichts tun konnte um ihm zu helfen. Und dann hatte er mich ehrlich überrascht, als er mich bat ihn zu töten und endlich meine langerwartete Rache zu nehmen. Er bettelte mich an es zu tun und beschimpfte mich als Schwächling, als ich es ablehnte. Ich glaube, es währe barmherziger gewesen wenn ich es getan hätte, als er mich darum bat. Aber ich tat es nicht. Ich wußte, einige der anderen würden es verstehen, aber sie würde es nicht. Und sie würde mir das niemals vergeben.

Ich hegte noch immer die Hoffnung, daß sie sich mir anschließen würde. Selbst als der Diagnosan anbot eine Operation zu versuchen wußten wir, daß es höchst unwahrscheinlich war, daß Crichton das überlebte. Die Bemühungen des Chirurgen waren nur eine Beruhigung ihres Gewissens. Sie würden ihn nicht töten, aber wenn er bei dem Versuch starb ihn zu retten, dann war es eben so. Es geschähe nur in bester Absicht.

Aber sie warteten zu lange. Das Ding, das ihn kontrollierte, hatte nicht die Absicht bei ihrem Plan zu kooperieren. Er floh und während er das tat, tötete er sie.

Oder besser gesagt war es sein Körper, der sie tötete. Es war der Chip, der sie tötete, der seinen Körper und seine Fähigkeiten benutzte, um das zu tun.

Er kam erst wieder zu sich als sie in dem eisigen See ertrank. Er landete seinen Gleiter und erlaubte, daß man ihn in Gewahrsam nahm. Er fügte sich zahm dieser Bewachung. Er erklärte es nicht. Er versuchte nicht sich zu verteidigen. Er schien nicht zu trauern, bis man durch die hohle Maske hindurch in seine gequälten Augen sah.

Ich wollte ihn hassen, dafür daß er sie zerstört hatte. Ich versuchte es. Aber ich konnte es nicht, denn ich hatte meinen Haß schon vor langer Zeit aufgebraucht.

Seine Freunde entfernten sich von ihm. Ihre Worte drückten aus, daß es nicht seine Schuld war, aber ihre Taten sagten etwas anderes. Und sie wußten nicht, wie sie sich in der Gegenwart von jemandem verhalten sollten, der sich innerhalb eines Augenblickes von einem Freund in einen Feind verwandeln konnte.

Seltwamerweise gab der Chip nun Ruhe. Vielleicht weil er erreicht hatte was er wollte, indem er die Operation verzögerte. Oder vielleicht hatte der Chip auch genau das getan, was sein Hersteller beabsichtigt hatte, ganz wie es seiner bösartigen Natur entsprach. Es gab keine schrecklichere Folter, als Crichton die Beerdigung der Frau miterleben zu lassen, die er liebte, und ihn mit dem Wissen leben zu lassen, daß er sie getötet hatte.

Ich hatte vor, nach dem Begräbnis abzureisen. Es gab keinen Grund länger zu bleiben. Und dennoch tat ich es, irgendwie mußte ich wissen, ob das alles Aeryns Opfer wert gewesen war. Ob noch genug von ihm übrig war, damit der Chirurg es retten konnte.

Er ging unter Bewachung zu dem Chirurgen, schickte seine Freunde aber fort. Er wollte nicht, daß sie Zeugen waren. Also vergingen mehrere Arn bevor die Crew der Moya bemerkte dass etwas ernsthaft falsch lief.

Wir kehrten auf den Planeten zurück, fanden den Diagnosan und seinen Assistenten tot vor und Crichton auch beinahe. Vom Neurochip weit und breit keine Spur.

Zhaan beendete die Operation so gut sie konnte. Die Reparaturen, die der Diagnosan geplant hatte, lagen außerhalb ihrer Möglichkeiten, aber sie war in der Lage die Blutungen zu kontrollieren und den Schädel wieder zu verschließen.

Ich fand die Monitoraufzeichnungen. Ich sah wie die Prozedur begann. Der Assistent erklärte noch einmal dass Crichton nicht für seine Taten verantwortlich war, aber Crichton lehnte es ab durch ihn von seiner Schuld freigesprochen zu werden.

Der Vorgang selbst war der reinste Horror, als Crichton in aller Ruhe darüber diskutierte welche Teile seiner selbst er behalten wollte, und welche geopfert werden konnten.

Und dann tauchte Scorpius auf der Aufzeichnung auf, wie ich es mir schon gedacht hatte. Er mußte die Operation beobachtete haben, denn er erschien gerade, als der Chip entfernt wurde. Er tötete den Diagnosan und nahm dann den Chip an sich. Er schien sich über die ohnmächtige Wut Crichtons zu freuen, denn er informierte ihn darüber, daß er dazu verurteilt sein würde, mit diesem Schmerz zu leben.

Crichton erkannte Scorpius.

Aber als die Operation schließlich beendet war, schien er Zhaan nicht mehr zu kennen, oder einen der anderen. Er verhielt sich, als wären sie für ihn Fremde und vielleicht waren sie das auch.

Er wußte wer ich bin. Er konnte nicht sprechen, aber er erkannte mich und nickte als ich ihn fragte ob er sich an mich erinnerte.

War es ein zufälliges Produkt der Operation? Oder war es eine freiwillige Wahl? Was sagt es über einen Mann aus, der sich dafür entscheidet sich an seine Feinde zu erinnen, während er jene vergißt, die einmal seine Freunde waren?

Ich fragte nicht danach, ob er sich an sie erinnerte. Daran, daß er sie liebte. Daran, daß er sie tötete. Ich wollte es nicht wissen.

Er war offensichtlich, daß er schwer geschädigt war. Er konnte unsere Worte verstehen aber er sprach als Antwort nur unverständliches Kauderwelsch. Er zog das rechte Bein nach wenn er ging und sein rechter Arm war völlig nutzlos.

Den ersten Anfall hatte er weniger als drei Arn nach seinem Erwachen.

Und das waren nur die Schäden, die wir sehen konnten. Auch sein Verstand war verletzt. Aber niemand, weder Zhaan noch Stark, wollten sich mit seinem Geist verbinden um festzustellen, wie viel von dem ursprünglichen Mann noch übrig war. Vielleicht fühlten sie, daß ihnen dazu die Kraft fehlte. Oder vielleicht hatten sie auch gerade so viel für ihn getan wie sie tun wollten, für jemanden der einst ihr Freund gewesen war.

Er wollte nicht zu ihnen gehören. Er weigerte sich zu Moya zurückzukehren. Er wollte niemandes Hilfe. Aber er konnte dort auch nicht zurück gelassen werden. Er konnte nicht für sich selbst sorgen. Er brauchte Zeit zum heilen, so gut es ging.

Wenn er hier blieb war er angreifbar. Wenn ihn seine Schwäche nicht tötete, dann würde es jemand anderes tun. Scorpius war nicht der einzige Feind den er sich gemacht hatte. Es gab andere die ihn für das jagten, was er getan hatte, oder für das Wissen, das sein Gehirn einst beinhaltet hatte. Es gab andere die mehr als bereit waren das zu beenden, was Scorpius angefangen hatte.

Moya war noch immer halbverkrüppelt, unfähig zur Stellarbeschleunigung. Sie bot keine Sicherheit mehr, wie die anderen schnell feststellten. Der Luxaner und sein Sohn, das Nebari-Mädchen und sogar der selbstsüchtige Hynerianer hatten sich entschlossen fort und ihrer eigenen Wege zu gehen.

Die Delvianerin und der Banik Sklave wollten an Bord des Leviathan bleiben und ihre Hingabe dem Schiff und dem Piloten widmen. Sie hätten Crichton mit an Bord genommen aber sie widersprachen ihm auch nicht als er das ablehnte.

Also war es an mir für ihn zu sorgen. Eine Wendung des Schicksals, die so ironisch war, dass mich das Universum selbst zum Narren zu halten schien. Ich, der einst geschworen hatte ihn zu zerstören, fand mich nun selbst als sein Beschützer wieder. Sein Wächter.

Ich tue das nicht für ihn. Ich tue es für sie. Es ist, weil sie ihr Leben hingab bei dem Versuch ihn vor sich selbst zu retten. Ihres Andenkens wegen kann ich ihn nicht zurück lassen.

Talyn ist ein schnelles Schiff, mit einer Bewaffnung, die einen komfortablen Schutz gewährleisten wird, falls einer seiner Feinde versuchen sollte uns aufzubringen.

Er rührt sich und öffnet die Augen. Es dauert einige Microts bis sich sein leerer starrer Blick schärft, als er etwas erkennt.

Er gibt einen fragenden Laut von sich.

„Ein weiterer Anfall. Vor über einer Stunde.“ Erkläre ich.

Er nickt. Er hebt den Kopf vom Bett und nutzt die linke Hand um sich in eine sitzende Position hochzudrücken. Ich biete ihm meine Hilfe nicht an.

Ich warte bis er schwankend auf die Füße kommt und erhebe mich dann ebenfalls.

„Komm. Talyn wartet.“ Sage ich.

Und ohne eine andere Wahl zu haben folgt er mir.

Ende