"Should I disrobe so it's memorable?"
- Rygel (Through The Looking Glass)
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OFFICIAL FARSCAPE CONVENTION BURBANK Nov. 2003
von RueScap
2. Der „Schlicht und einfach Ben!“ –Tag

Es ist Samstag, der 15. November. Über den ersten Teil des Vormittags läßt sich nicht viel berichten, außer daß ich mich entscheiden muß, was ich anziehe. Wie gestern wird es schwarz, was so ziemlich alle Kleidungsstücke betrifft. Außerdem trage ich Lederstiefel, für das Farscape Gefühl. Und heute auch meine Lederjacke, denn es ist noch reichlich kühl draußen.

Oh ja, ich erlebe eine Überraschung. Oder besser gesagt, ich weiß es bereits seit gestern abend. Andrea hat sich entschieden, einen zweiten Tag Convention zu erleben. Das liegt größtenteils an dem Fakt, daß sie nicht viel anderes machen kann. Und an der Tatsache, daß es ein Panel zur Folge John Quixote geben wird und sie diese unbedingt sehen will. Damit sie mich nicht währenddessen dauernd fragt, worum es geht, erzähle ich ihr den Inhalt schon vorher. Ist ja auch eine reichliche konfuse Episode.

Wir gehen denselben Weg wie gestern, nur etwas früher, denn laut Programm fängt alles eher an, als ursprünglich geplant. Ist ja auch kein Wunder bei den vielen Gästen, die kommen sollen. Ich frage mich noch immer, wie Creation alle heutigen ‚Attraktionen’ in die wenigen Stunden quetschen will. Obwohl es im Programmheft ganz gut organisiert aussieht. Am Conventioncenter angekommen erstehen wir diverse Dinge. Meine Schwester ihre Eintrittskarte, ich ein T-Shirt mit den Farscape Girls drauf. Jirl Power! Dann unternehme ich einen Anlaufversuch auf den Mann hinter dem Registrierungsdesk, denn ich will die Sache mit den Autograph Tickets geklärt haben. Der arme Bursche scheint mich falsch zu verstehen, denn er denkt, ich will Tickets umsonst haben. Ich versuche ihm klar zu machen, daß ich diese Tickets schon bezahlt habe - sie wären inklusive - und sie deshalb gerne ausgehändigt haben würde. Er verfällt in ein Gespräch mit seinem Kollegen und beide sind der festen Überzeugung ich müsse nur meinen Preferred Seating Ausweis vorzeigen und alles wäre in Ordnung. Nachdem wir eine Weile aneinander vorbei geredet haben, gebe ich nach, weil ich denke, daß die Mitarbeiter am Autogrammtisch ja hoffentlich inzwischen auch Bescheid wissen müßten. Schließlich werde ich sogar übermütig, was das Unterschriften sammeln angeht, und kaufe noch zwei Tickets für Paul Goddard und David Franklin. Von irgendwas müssen die beiden ja leben. Sie sitzen sowieso schon separat, da sie einen etwas anderen Gästestatus haben. Ihre Tickets sind nirgendwo inklusive, nicht mal im Goldpack. Außerdem will ich mir David auch mal aus der Nähe ansehen.

Wir entern das Auditorium und bleiben plötzlich wie geschockt stehen. Der ganze Saal ist voll von Menschen, die in einer geschlängelten zusammengestauchten Linie anstehen und anscheinend auf irgend etwas warten. Verwirrt schaue ich ins Programmheft, ob ich wohl etwas verpaßt habe. Dann die Auflösung. Alle diese Hunderte von Fans wollen unbedingt eine PhotoOpt mit Claudia Black haben. Du meine Güte. Wenn ich daran denke, wie wenig es gestern bei Paul waren. Bei dieser Personenzahl ist es verständlich, daß nicht alle in dem kleinen Gang vor dem Vine Raum warten können, sondern die Schlange in den Hauptsaal umgeleitet werden mußte. Obwohl ich für einen winzigen Moment erleichtert bin, keine PhotoOpt für Claudia zu haben, wird mir schnell klar, daß mir dieses Anstehen trotzdem nicht erspart bleiben wird. Denn in meiner Umhängetasche befindet sich ein PhotoOpt JPEG für Ben Browder. Und er ist sofort nach Claudia dran. Also, schon mal irgendwo in die Nähe dieser Menschenmassen setzen und abwarten, was so über den Lautsprecher angesagt wird.

Die Zeit vergeht und die Schlange wird kürzer, und ich weiß, bald ist es soweit. Ich werde neben Ben sitzen. Irgendwie kann ich’s mir aber nicht richtig vorstellen. Und das Komische ist, ich bin weitaus weniger aufgeregt als vor Monaten zu Hause, nachdem ich beim Besuchen der Creation Homepage auf die entscheidende Entertaste gedrückt habe. Wenn ich jetzt daran denke, daß ich es erst gar nicht machen wollte.

Nun gut, Claudia’s Fans sind jetzt alle um ein Bild reicher und nach kurzer Stagnation bildet sich eine neue mäanderförmige Linie im Auditorium. Ich stehe ziemlich weit vorn und denke noch immer, daß ich aufgeregter sein müßte. Der Umstand, daß die Türen zum Vine Raum noch verschlossen sind, läßt mich schon ein wenig kribbelig werden, aber nicht so, wie erwartet. Laut meiner Uhr sind wir schon überfällig. Einer der beiden Creation-Verantwortlichen schaut kurz zu uns herein und murmelt etwas von „ . . . noch nicht . . . bald . . . ankommen.“ Ich schätze mal, er meint Ben.

Mann, bin ich froh, daß dies nicht meine allererste PhotoOpt ist. Glücklicherweise weiß ich inzwischen gut genug, wie alles abläuft, wo man hingehen muß und so weiter. Eine Sache, über die ich auch froh bin, ist der glückliche Umstand, daß dieses Fotoschießen nicht sonstwann am Abend ist und ich die ganze Zeit immer nervöser werde. So kann ich es wenigstens hinter mich bringen und den Tag mehr genießen.

Wie fühlt man sich vor so einem Moment? Die Gedanken kreisen. Um alles mögliche. Und man schraubt Erwartungen hoch und wieder herunter, denn man hat im Prinzip keine richtige Vorstellung von dem, was einen erwartet. Also, Ben. Wer ist eigentlich Ben? Ach ja, das ist dieser Typ von Farscape. Nur der Hauptdarsteller deiner Lieblingsserie, Ulrike. Kein Grund, sich Sorgen zu machen. Okay, mir geht’s prima. Alles in Ordnung. Vielleicht kommt er ja gar nicht. Ich weiß . . . er hat kurzfristig angerufen und gesagt, er hätte anderweitig was zu erledigen.

Ein Creationmitarbeiter erscheint bei uns, um uns mitzuteilen, daß Ben eingetroffen ist und es gleich los geht. Hm, soviel dazu. Vielleicht ist es ein Double. Es ist gar nicht wirklich Ben. Wir sollen nur alle glauben, daß er es ist. Oder er entspricht überhaupt nicht dem Bild, das ich von ihm habe. Wie man sieht, kreisen tatsächlich die Gedanken. Aber ich bekomme es nicht recht mit, denn ich wundere mich langsam, wieso mir die Knie noch nicht zittern. Bald darauf wird mir klar . . . ich bin viel zu angespannt dazu.

Die Schlange bewegt sich vorwärts und ich mich mit ihr. Solange, bis noch etwa zehn Leute vor mir sind und ich bereits den Eingang zum besagten Vine Raum nah vor mir sehe. Es kommen sogar schon wieder Fans heraus, und sie alle haben ein merkwürdiges Grinsen im Gesicht, glühende Wangen und eine Art Glückseligkeit in ihren Augen. Also, wenn das nicht Ben ist, dann muß es zumindest jemand sein, der absolut hot ist. Und da zeigt sich Pat auch schon wieder. Sie erscheint im Gang, um uns zu sagen, daß wir die Sachen lieber vorher ausziehen sollen, sofern wir das vorhaben. Nun, wir alle wissen, sie meint damit unsere Jacken. Dies verdient aber ein Statement und prompt ruft jemand weiter hinten einem Mädchen zu: „Hey, keep your top on!“ Pat reagiert im allgemeinen Gelächter. „Oh, I’m sure Ben wouldn’t mind . . .“

Ich lache mit und rücke weiter vor. Betrete dann den Raum und schaue nach links, um meine Tasche an den bereits gewohnten Platz zu stellen. Nestele sodann an meinem JPEG herum und gebe es ab. Mein Vordermann ist an der Reihe und ich konzentriere mich auf die Frau, die mein Ticket einsammelt. Kann ja sein, daß sie schon wieder nach dem Namen fragt. Dann fällt mein Blick schließlich auf die Person im rechten Stuhl hinter ihr. Oh mein Gott, das IST Ben Browder. Längere Haare und definitiv nicht John Chrichton. Und es ist keine Zeit mehr, um starr vor Aufregung zu werden. Denn ich bin an der Reihe. Ben sieht mich an und lächelt mir warm entgegen. Er kommt mir wesentlich größer und muskulöser vor. Aber vielleicht ist mein Fernseher zu Hause auch einfach nur zu klein.

Langsam trete ich auf den Stuhl zu, und von diesem Augenblick an gehört der Moment mir. Es ist vollkommen egal, wie viele andere Fans da draußen stehen und ihrerseits auf diesen Augenblick warten. Ben ist einfach genial. In der Sekunde, in der ich auf ihn zugehe, habe ich seine volle Aufmerksamkeit. Und zwar hundertprozentig. So als ob wir die einzigen zwei Leute im Raum wären. Er sieht mir direkt in die Augen und er sagt: „Hi, how’re you doing? Nice to meet you. It’s good to have you here.“ Mir läuft ein warmes Gefühl den Rücken herunter. Im Nachhinein weiß ich es nicht mehr genau, aber ich denke, ich antworte so was wie „Hi, Ben!“ Dann bin ich am Stuhl, und während ich mich setze, ergreift Ben meine Hand. Ich habe eine Menge andere Fans sagen hören, seine Hände wären recht kalt (man würde es nicht glauben, aber höchstwahrscheinlich ist Ben genauso aufgeregt, wenn nicht sogar noch mehr), aber vermutlich habe ich es nur nicht gemerkt, weil meine noch kälter sind. War ich schon über Lani’s Händedruck am gestrigen Tag überglücklich gewesen, so ist das hier unbeschreiblich. Die Gedanken kreisen nicht mehr, es ist mittlerweile alles wie leergefegt. Würde es nicht ein Foto als Beweis geben, wäre es gut möglich, daß ich diesen Teil der Begegnung in Folge eines Blackouts verleugne.

Ben ergreift also meine Hand. Entweder sehe ich ihm einfach zu angespannt aus oder er ist wirklich der ‚Anfasser’ und ‚Umarmer’, als der er beschrieben wird. Ich tendiere stark zum Zweiten. Die Art und Weise, wie er das macht ist keineswegs, als wolle er den Augenblick mit etwas überbrücken, nur um von Unsicherheiten abzulenken. Nein, es ist vielmehr die Sorte von „Alles okay, entspann dich einfach und hab Spaß. Ich bin’s doch nur, Ben.“

Irgendwann dazwischen, denke ich, wird das Foto gemacht. Leider Gottes muß ich nun auch wieder aufstehen, obwohl ich sicher nichts dagegen einzuwenden hätte, noch einige Stunden da sitzen zu bleiben. Doch mein Moment ist hier noch nicht vorbei. Ich bin im Begriff zu gehen, als Ben seinen Arm zu mir ausstreckt und mich anhält, dann wieder Augenkontakt herstellt, nochmals ein Willkommensdankeschön spricht und plötzlich fragt: „What was your name?“

Also, ehrlich, wenn mir jemand vorher gesagt hätte, daß mich Ben nach dem Fotografieren nach meinem Namen fragen wird, hätte ich sicher kein einziges Wort herausbekommen. Jetzt bin ich glücklicherweise so überrascht, daß er mir sogar einfällt. Die Überraschung ist durchaus gerechtfertigt. Man bedenke, da stehen schon meine Nachfolger und wollen ihr Erinnerungsstück haben. Ben könnte einfach zum nächsten übergehen. Aber er hält mich auf und will wissen, wie ich heiße. Wow! Kurz darauf überrascht er mich schon wieder. Mein Name, sei dazu gesagt, ist typisch deutsch. Ich bin schon in vielen englischsprachigen Ländern gewesen, und ganz egal wo, kein einziges Individuum mit englischer Muttersprache war bisher in der Lage gewesen, meinen Vornamen richtig auszusprechen. Manchmal wurde er so entstellt, daß ich gerufen worden bin und nicht reagiert habe, weil ich ihn nicht mehr als meinen Namen registriert habe. Nicht so Ben. Ich sage also meinen Namen und er schafft es doch tatsächlich, ihn total fehlerfrei und ohne Akzent auszusprechen. „Ulrike, nice to meet you.“

Ich bin so was von baff, daß ich keinerlei Erinnerung davon behalte, was und ob ich etwas antworte. Nun muß ich aber wirklich gehen, um den Tisch herum, während der nächste Fan freudestrahlend auf Ben zukommt. Als ich einen Blick zurückwerfe, noch bevor ich überhaupt meine Tasche erreiche, passiert es. Meine Knie werden weich und meine Hände fangen an zu zittern. Irgendwie schaffe ich es, aus dem Raum zu kommen. Ganz offenbar glühe und grinse ich in derselben Art und Weise wie jedermann vor mir, denn mir werden diverse Blicke zugeworfen, nach dem Motto „Aha, Ben. Alles klar.“ Das könnte man direkt als chemische Reaktion bezeichnen. Der Ben-Effekt.

Irgendwie tragen mich meine Füße zurück ins Auditorium, wo ich schließlich neben meiner Schwester in einen Sitz falle. Auch heute nehme ich nicht meinen eigentlichen Platz in Anspruch, langsam frage ich mich, wieso ich den überhaupt habe. Andrea sieht mich an und es platzt aus mir heraus. „Ich hab neben Ben gesessen, ich hab . . .“ Das muß sie sich etliche Male anhören, und die Schubser aushalten, die ich ihr vollkommen glückselig versetze. Aus dem Grinsen komme ich so gut wie nicht mehr heraus und alle Nase lang kriege ich einen neuen Kicheranfall. Das hält zumindest so lange an, bis ich ruhig werden muß, weil das Licht gelöscht und erste Videos gezeigt werden. Da ist ein witziges SACC-Video dabei, außerdem eines, das Creation offenbar nicht zum Laufen kriegt. Irgendwann versagt auch die beste Technik. Das Video wird verschoben. Denn es ist Zeit für den nächsten Gast, genauer gesagt, den ersten Gast des heutigen Tages. Und das ist der Schöpfer, der Creator, der Vater von Farscape. Rockne S. O’Bannon.

Rockne betritt den Saal unter Applaus, mit einer unterschwelligen Nachricht. Sein Mund ist mit rotem Klebeband verziert. Ob er uns damit andeuten will, daß es etwas gibt, worüber er nicht reden kann? Könnte durchaus sein. Seine ersten Worte beziehen sich dann tatsächlich darauf, daß er furchtbar gern eine Ankündigung machen würde, es aber nicht kann, es gäbe noch einige geschäftliche Details abzusichern. Wobei er augenzwinkernd hinzufügt, er sollte jetzt eigentlich zu Hause sein und an etwas schreiben. Johlender Beifall an dieser Stelle. Es folgen Ermutigungen. Es ist wichtig, weiterzumachen. Wenn wir aufgegeben hätten, dann hätte es Henson inzwischen auch. Also, „Keep on!“

Ansonsten erzählt Rockne ein bißchen über die Anfänge von Farscape, daß er die erste Idee dazu vor etwa zehn Jahren hatte, daß der Pilotfilm in etwa so geworden ist, wie er es sich damals schon vorgestellt hatte. Zhaan hätte ursprünglich ein Mann sein sollen. Also, ich weiß nicht. Ich glaube, da hätte Virginia was dagegen gehabt, oder?

Zwischendurch fällt ihm dann etwas anderes ein, und er gesteht, daß es eine Sache gebe, die ihn total süchtig machen würde. Lippenpflegestifte. Er holt seinen heraus und fragt, wer noch einen mithat. Etliche Arme strecken sich in die Höhe. Rockne meint, er hätte da mal eine nette Idee für eine Szene mit Chrichton gehabt. Man stelle sich den ersten Alienplaneten vor, auf dem unser gestrandeter Mensch landet. Er hat so ein Überlebensköfferchen mit sich, wo diverse Dinge drin sind, unter anderem auch sein Lippenpflegestift. Als er einem Händler einige seiner Dinge verkaufen will, grabscht sich dieser als ersten den Pflegestift und weg ist er. John steht also da und denkt: „Zig Trillionen Meilen entfernt von zu Hause. Wo, zum Kuckuck, kriege ich jetzt einen neuen Lippenpflegestift her?“

Dinge zum Casting folgen. Zum einen sei man sich damals nicht sicher gewesen, ob es wirklich ein australisches Team sein sollte. Heute ist jeder glücklich darüber. „Thanks God!“, um es mit Rockne’s eigenen Worten zu sagen. Es hätten etliche Schauspieler nach Ben vorgesprochen, aber Rockne und DK saßen eines Tages zusammen und überzeugten sich gegenseitig. „You know . . . he’s smart. He’s the one.“ Worauf ein Ausruf aus dem Publikum folgt: „That’s right!“ Claudia hat man zuerst auf einem Tape gesehen, in irgend einem kurzen Stück, und sie hatte solch einen Charme, da war sofort klar, daß sie diejenige welche ist.

An dieser Stelle bekommen wir nochmals viele Grüße von DK übermittelt. Er kann wirklich nicht kommen, aber wir kriegen nicht zu hören warum. Der Saal bricht schon wieder in sintflutartige Beifallstürme aus und Rockne fügt noch einen Satz hinzu. „Okay, he’s in Sydney, but I really can’t tell you why.“ Langsam schmerzen meine Ohren schon von den Schreien und Pfiffen. Es folgt noch eine kurze Q&A, wo der Schöpfer von Farscape unter anderem seine Meinung zu Chrichton abgibt. Er hätte ihn immer als Wissenschaftler gesehen, keineswegs als jemanden vom Militär. Es gäbe vielleicht Parallelen zum ersten Testpiloten Jäger, aber dieser wäre kein Vorbild bei der Erschaffung von Chrichton’s Persönlichkeit gewesen. Schließlich verläßt uns Rockne wieder, wobei er mehrere Runden Standing Ovations erntet. Als Dankeschön bekommen wir definitiv zwei Daumen nach oben.

Nach einem weiteren Video - wobei dies nicht heißt, daß die leichten technischen Mängel mit dem letzten Video der Vorrunde bereits behoben wurde - kommt Ricky auf die Bühne. Mit einem kleinen Script in der Hand. Unser Froon hat mal wieder eine Szene für Fans geschrieben und ist nun, wie er erklärt, auf der Suche nach drei John Chrichtons, drei Aeryns und drei Harveys. Was ich nicht gedacht hätte, es gehen eine Unmenge von Armen nach oben. Die Freiwilligen sollen auf die Bühne kommen, wo Ricky sie in die drei Gruppen einteilt und jeden einzelnen mustert. Einige Fans sind recht gut im Betteln, sie werfen sich auf die Knie und flehen Ricky sprichwörtlich an. Er sagt beiläufig: „Hab ich schon erwähnt, daß in der Szene geküßt wird?“ Zack. Ein oder zwei Fans machen auf der Stelle kehrt und verlassen die Bühne fluchtartig. Ricky erklärt schulterzuckend den anderen: „Ich hab ja nicht gesagt wer oder wohin.“ Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt, aber letztendlich gibt es in jeder Gruppe drei glückliche Fans mit einem Blatt voll Dialog in der Hand. Bei den Chrichton-Anwärtern gibt es sogar eine junge Frau.

Es scheint schier unmöglich zu sein, drei passende Grüppchen zu bilden, obwohl Ricky Manning anfangs noch meinte, ein wenig chemistry wäre schon von Vorteil. Er würfelt schließlich jeweils drei Leute zusammen und gibt ihnen etwas Zeit, um sich mit dem Script vertraut zu machen und den Text einzustudieren. Genau genommen haben die Nachwuchstalente sogar drei Stunden Zeit dafür, denn vorher ist ihr Auftritt laut Creation’s Programm sowieso nicht geplant.

Nachdem alle runter von der Bühne sind, kommen wir endlich in den Genuß des bereits erwähnten Videos. Und es lohnt sich wirklich. „The Brady Family“ von Hank, ein absoluter Ablacher. Danach folgt sogleich das Einleitungsvideo für Aeryn, oder genauer gesagt für Claudia Black. Zehn Sekunden später steht sie auf der Bühne, vollkommen in schwarz gekleidet. Yay! Diese Frau ist der absolute Wahnsinn! Ein wunderbares Lachen strahlt uns entgegen, und während wir stehenden Fußes applaudieren, ertönt ein ohrenbetäubendes Pfeifen. Es ist aber nicht etwa ein Fan, sondern Claudia selbst, die es irgendwie beherrscht, mit zwei Fingern einer Hand schrille Pfiffe zu produzieren. Sie übertönt uns alle damit, was zur Folge hat, daß der Applaus immer wieder von neuem aufbraust. Außerdem ist es mir unbegreiflich, wie sie dieses Kunststück aufbringt, obwohl sie ein übergroßes Stück irgendeiner Süßigkeit im Mund hat. Sie deutet ab und zu an, daß sie es erstmal auflutschen müsse, spült dann mit Wasser nach und lacht erneut. Der Beifall ebnet nur schwer ab, denn Claudia zieht den Jubel und die Blicke an wie ein Magnet, während sie geruhsam Platz nimmt und weiterhin mit dem Süßigkeitenproblem kämpft.

Sie wirkt relaxt, obwohl sie einen vierzehnstündigen Flug hinter sich hat. Man sieht es ihr wirklich nicht an. Aber sie klärt uns darüber auf, was sie letztes Jahr gemacht hat, und vielleicht ist das der Grund für ihre Lockerheit. Sie hat Yoga gelernt. Besser gesagt, heißes Yoga. Ich interpretiere das mal so, daß diese Kurse in einer Sauna oder ähnlichem stattgefunden haben. Außerdem habe sie auch Meditation gelernt. „I had a good long talk with my mind.“ Sie war überrascht gewesen, wie gut Yoga hilft. Damals auf dem Farscape-Set hat jemand schon mal versucht gehabt, einen Yogakurs aufzubauen. Nur daß er diese Idee leider mitten in der Mittagspause hatte. Claudia scherzt und meint, in der Mittagspause sei sie nur am Essen interessiert gewesen und nicht an irgendwelchen Kursen.

Was folgt, sind eine Reihe von Zitaten und Andeutungen im Hinblick auf das Projekt, über das niemand reden darf. „ . . . crash course in Yoga because I might be busy.“ Ein Raunen geht durch die Reihen und Claudia versucht, die Bedeutung dieses Ausspruchs mit komödiantischer Mimik herunterzuschrauben. „I might not or I might.“ Sie erklärt, später könne sie uns mal erzählen, was sie hat aufgeben müssen für die Sache, die sie eventuell bald beschäftigen wird. Jemand wirft einen Kommentar ein, was eine Geschichte von Claudia betrifft, die sie anscheinend letztes Jahr auf der Convention zum Besten gab, und die etwas mit einer Peinlichkeit und Anthony Simcoe zu tun hatte (sorry, kenne diese Geschichte nicht). Irgendwie sei diese story bald darauf sogar in einem Magazin gelandet und Claudia erwähnte, sie hätte Anth seitdem noch nicht gesehen, sonst hätte sie bereits eine Retourkutsche von ihm bekommen. Kurz darauf fügt sie hinzu: „Well, I might see him soon.“ Wieder aufgeregte Reaktionen im Saal und Claudia versucht, sich selbst den Mund zu verbieten. „It’s hard not to say anything.“ Also, wenn das nicht aussagekräftig ist, dann weiß ich auch nicht.

Das Scherzen geht weiter, jetzt über ihren Freund. Er sieht furchtbar gern die Simpsons, jede Folge so oft, bis er sämtliche Sätze auswendig kann. Allerdings, tun wir das nicht auch mit Farscape? Wenn Claudia im realen Leben Farscape anspricht, dann verstehen eine Menge Leute nicht, worüber sie redet. Meistens wird das Wort verschandelt, zu fire escape. „Fire escape? Oh, . . . Farscape. Is that the one with the blue lady?“ Beim Bejahen folgt dann gleich die nächste Frage. „And your in it?“ Claudia grinst uns breit an, als sie meint „I wouldn’t say I’m in it . . . I am Farscape!

Ihre erste Bühnenrolle hatte sie mit vier oder fünf, als sie in Transition war, eine Stufe zwischen Kindergarten und Vorschule. Sie wurde als Hauptdarstellerin gecastet, ihrer Meinung nach, weil sie nie den Mund halten konnte. Der Part war eine Putzfrau, die ständig Kommentare über alles um sich herum abgibt. Dann fragt ein weiterer Fan, ob sie denkt, daß es zwischen Aeryn und John Liebe auf den ersten Blick war. Claudia meint, das gäbe es schon, aber bei Aeryn kann man dies nicht unbedingt anwenden. Auch wenn es das gewesen wäre, Aeryn hätte es nicht gemerkt. Sie hat sich lange gegen alles gesträubt, was mit Gefühlen zu tun hatte oder mit Liebe, gerade gegenüber John. Aber im Endeffekt hat sie dann nachgegeben. Kurz darauf folgt eine Bitte an Claudia, ob sie nicht etwas für uns singen möchte. Was mich überrascht, es scheint, als ob sie schon will, es aber im Moment aus irgendeinem Grund ablehnt. Sie sagt nicht nein, aber auch nicht ja. Allerdings verspricht sie uns, es eines Tages zu tun, sehr bald sogar, und wenn es soweit ist, dann wird sie nur für uns singen. Für die Fans von Farscape.

Das Thema wechselt über zu amerikanischen Sets. Richtig vergleichen kann sie Claudia aber nicht zu australischen Sets, da sie in den Staaten noch keinen Film oder so gedreht hat. Sie hat einem Charakter in einem Computerspiel ihre Stimme geliehen. An Amerikaner müßte man sich überhaupt erstmal gewöhnen. Sie haben nicht denselben Humor wie die Australier. Jedes Mal, wenn Claudia einen Scherz machte, sei sie merkwürdig angesehen worden mit den trockenen Worten „Oh, that’s funny.“ Die Art und Weise, in der wir die Imitation eines solches Gesichtes vorgemacht bekommen, ist einfach großartig. Claudia hat eine wahre Begabung für das Komödiantische. Egal, ob mit ihrer Stimme oder ihrer Mimik, sie trifft immer ins Schwarze und direkt auf unsere Lachmuskeln. Die Amerikaner würden jedoch nie lachen. Alles, was ihnen dazu einfällt ist „You’re adorable.“ Und das wiederholen sie dann immer wieder.

Es fallen einige Worte über das Business und Hollywood. In Hollywood würden sie nur Stars züchten, keine Künstler. Szenen werden nicht analysiert oder hinterfragt, man spielt sie einfach. Sie, als Künstlerin, würde gern Rollen mit Substanz spielen und nicht nur einfach irgendwelche 20- oder 30jährigen Frauen. Claudia ist sowieso der Meinung, daß Frauen sexier werden, je älter sie sind. An einem Punkt im Leben muß man sich dann fragen, will man Geld und nimmt deshalb die Rollen, die man vorgesetzt kriegt, oder tut man das, was man wirklich aus tiefstem Herzen machen will? In Bezug auf ihre bisherigen Parts und vor allem Farscape sagt Claudia, sie hätte immer beim Drehen einer Szene an die Fans gedacht, wie wir wohl reagieren. Übrigens ist unsere Göttin nicht für Facelifting, aber das hat sie ja auch mitnichten nötig.

Das Computerspiel, in dem Claudia eine Stimme übernahm, heißt „Lords of Everquest“. Ihr Freund wäre ausgeflippt, als er davon erfuhr, denn er spielt eine Menge solcher Sachen, früher als Kind schon „Dungeons and Dragons“. Beim Beenden der Aufnahmen hatte Claudia die fabelhafte Idee, im Exemplar, das ihr Freund kriegen sollte, einen Satz miteinzufügen. Und sie fragte die Producer, ob das ginge. Alles, was sie als Antwort bekam war dasselbe „You’re funny.“ wie sonst auch und weitere seltsame Blicke. Der Satz wäre übrigens in der Art gewesen: „Turn it off and come to bed!“

Schließlich kommentiert Claudia einige Dinge in Bezug auf den Aufenthalt in Kalifornien, vor allem, daß sie den Typ mochte, der ihr die Fahrerlaubnis ausgestellt hatte. „He must have seen Farscape.“

Plötzlich bemerken wir, wie die Zeit vergangen ist. Wenn man Claudia zuhört, bleibt man unweigerlich an ihren Lippen kleben. Sie erhebt sich und ich befürchte schon, daß ihr Panel bereits vorbei ist. Aber dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil. Claudia hat jemanden anzusagen, und der Mann, der von ihr mit Stolz angekündigt wird und unter tosendem Klatschen die Bühne betritt, ist kein geringerer als Ben Browder. Und zwar mit einer Gitarre in der Hand.

Soweit ich weiß, sind Claudia und Ben noch nie zuvor bei einer Convention gemeinsam auf der Bühne gewesen. Premiere also. Nur um das mal anzumerken, ich schicke in diesem Moment ein Dankesgebet gen Himmel, daß die PhotoOpt hinter mir liegt, denn hätte ich Ben vorher auf der Bühne gesehen, wäre ich ein einziges nervliches Wrack gewesen. Weil seine Gegenwart schon irgendwie ein eigenartiges Gefühl in meiner Magengegend hervorruft. Hach . . .woman, thy name is frailty.

Neben diesem Gebet frage ich mich, wer denn vorhat, die Gitarre zu benutzen. Zuerst denke ich, Ben hat vielleicht vor, uns was zu trällern. Aber seine Zeit ist eigentlich noch gar nicht herangekommen. Er bietet dann allerdings Claudia das Musikinstrument an. „D’you play?“ Sie verzieht das Gesicht, was ihn zu einer weiteren Bemerkung veranlaßt. „You made me haul up this thing and now . . . ?“

Nun, Claudia hat schon die Wahrheit gesagt. Sie würde bald für uns singen. Daß dieses ‚bald’ aber jetzt sofort sein würde, hätte keiner zu träumen gewagt. Nachdem Ben die Gitarre los ist, läßt er sich in den Stuhl neben Claudia nieder, während sie beginnt, alles um sich herum zu sortieren. Das Mikrofon, die Elektrik, haufenweise Kabel, die Gitarre und offenbar auch sich selbst. Sie läßt sich eine Menge Zeit dabei. Ben sieht andeutungsweise auf die Uhr, was Gelächter im Publikum produziert. Mit beiläufigen Kommentaren setzt sich Claudia ebenfalls hin, hängt sich die Gitarre um und schraubt das Mikrofon herunter. Die Saiten werden eingestimmt. Anscheinend ist es so aber nicht komfortabel genug, also steht sie wieder auf und werkelt am Kabelgewirr herum. Das Stativ des Mikros wird Opfer einer Attacke und wie ein Lasso herumgeschwungen, schließlich scheint diese Aktivität ein Hitzeproblem zu verursachen, denn Claudia zieht langsam ihre Jacke aus. Anerkennende Pfiffe ertönen, was sie nur veranlaßt, noch spielerischer zu werden. „That’s Gigi talking!“

Also lieber stehenbleiben. Das Mikrofon wird wieder verlängert, die Gitarre erneut arrangiert. In diesem Moment entscheidet sich Ben, die Bühne der Künstlerin allein zu überlassen und springt hinunter ins Publikum. Ein paar Fans in der ersten Reihe (unter denen wie ich später höre auch KernilCrash ist) sind überglücklich, setzt sich Ben doch genau zwischen sie. Sofort strömen Unmengen von Leuten nach vorn und zücken ihre Kameras. Nachdem sich die Aufregung einigermaßen gelegt hat, sehen alle gespannt zu, wie Claudia weiterhin ihr Instrument einstimmt. Immer wieder von Neuem, dabei erzählt sie Witze. Zwischendurch probiert sie es mit „Ben, come up here!“, was aber nicht fruchtet. Einige Hände im Publikum gehen nach oben, mit Lichtern, begleitend zum langsamen Zupfen der Gitarrensaiten. Erneutes Gelächter. Ebenfalls, als ein Fan an der Bühne vorbeisprintet und Münzen in den geöffneten Instrumentenkoffer wirft.

Schließlich scheint Claudia endlich bereit zu sein, aber sie singt nicht gleich, sondern spielt und erzählt dabei eine Geschichte. „Es war einmal ein Mädchen, es war vor zehn Jahren, und sie wollte unbedingt Gitarre spielen lernen, und dieses Mädchen hatte ihre erste Unterrichtsstunde . . . letzte Woche. Und sie lernte nur drei Akkorde.“ An dieser Stelle werden wir darüber aufgeklärt, daß bei Rock’n Roll jedoch nur drei Akkorde benötigt werden. Claudia fährt fort und wir wissen, sie erzählt von sich. Das Singen ist eigentlich nichts Neues für sie, am Farscape-Set hätten sie und Ben ab und zu mal gesungen, nur so aus Spaß. Allerdings, vor Publikum ist das schon was anderes. „ . . . das Mädchen bittet nun, keine Aufnahmen zu machen oder Fotos zu schießen, denn dies könnte ein einziger katastrophaler Gig bleiben, und in diesem Fall . . .“

Mit einem Mal wechselt die Erzählstimme über in Gesang. Der Saal bricht in unendliches Schweigen aus. Und lauscht. Eine wunderbare Stimme, einfach unbeschreiblich. Das Lied heißt ‚Throw Your Arms Around Me’. Die Zeit scheint still zu stehen, kaum einer bewegt sich, jeder harrt gebannt auf seinem Sitz und leiht Augen und Ohren der schwarzhaarigen Frau auf der Bühne. Nachdem das Lied schließlich verklungen ist, herrscht einige Sekunden absolute Stille. Dann tosender Beifall und Claudia ist wohl erleichtert, daß sie es hinter sich hat. Was ich in diesem Moment nicht weiß, aber später durch Hörensagen mitbekomme, ist, daß sie anscheinend Angst hatte, uns zu enttäuschen und der Meinung war, sie hätte uns nicht gut genug gesungen. Bitte? Das war ein absolut gigantischer Auftritt gewesen! Und das sage ich nicht nur, weil ich ein Fan bin, sondern weil es die Wahrheit ist.

Auch Ben scheint dieser Meinung zu sein, denn er kommt zurück auf die Bühne, klatschenderweise, hebt dann Claudia’s Jacke auf, um diese gentlemanlike aufzuhalten, damit unsere singende Göttin hineinschlüpfen kann. Ah, Ben. Durch und durch Kavalier. Naja, obwohl . . . so richtig doch nicht. Claudia ist nämlich mit ihrem Panel fertig und er reicht ihr die Gitarre mit der einen Hand, während die andere das Mikrofon ergreift. Auf ihre Geste in Bezug auf das Instrument meint er dann: „Take it with you, I only got one hand.“

Winkend verläßt Claudia die Bühne und Ben wendet sich uns zu. Er holt einen Stapel Zettel hervor. Angeblich habe er von Brian Henson eine mail bekommen, mit sogenannten talking points. Also, worüber er reden darf und warum keiner über das sogenannte Projekt spricht. Die Punkte seien wie folgt:

1. Es finden gerade Verhandlungen mit Brad Pitt statt, denn er soll John Chrichton spielen. Und sie wollen es nicht vermasseln.

2. Es finden gerade Verhandlungen mit Kermit statt, denn er soll Rygel spielen. Und sie wollen es nicht vermasseln.

3. Würde man eine Nachricht von Australien über die Datumsgrenze schicken, hätte das fatale Auswirkungen auf Zeit und Raum, Zeitreisen im allgemeinen und was weiß ich noch.

4. Und der eigentliche Grund für das Schweigen, nun, das wußten wir alle vorher: KEMPER IS EVIL!

Nach jedem Vorlesen läßt Ben einen Zettel ins Publikum segeln, wobei es leichtes Gerangel um diese begehrten Stücke gibt. An dieser Stelle wird er plötzlich leicht abgelenkt, denn Claudia kommt nochmals hinter der Bühne hervor. Sie hat vergessen, die Banner zu signieren und rennt jetzt von rechts nach links und wieder zurück, um dieses Versäumnis nachzuholen. Ben scheint etwas irritiert und unterbricht sein Panel, während Claudia absichtlich so tut, als würde sie ihn eigentlich gar nicht stören wollen.

Alsbald geht es weiter. Und Ben ruft drei Fans nach vorn zur Bühne, weil er ein Geschenk für sie hat. Bei den Fans handelt es sich um BritAngie, elle und Angie. Sie alle hosten eine Ben Browder Homepage und erhalten nun als großes Dankeschön ein Poster von ihm, auf dem er als Sechsmillionendollarmann zu sehen ist. Echt cooles Bild. Hintergrund ist ein Film, der vor nicht allzu langer Zeit in Kanada gedreht wurde. Da geht es um die Entstehung der Serie ‚Drei Engel für Charlie’, eine Art Dokumentation über alles hinter den Kulissen. Ben hat einen kurzen Auftritt darin und spielt niemand Geringeren als Lee Majors! Für alle, die es nicht wissen: Lee Majors spielte eine Zeit lang die Hauptrolle in der Serie ‚Der Sechsmillionendollarmann’. Die drei Mädels sind natürlich überglücklich und leicht errötet, noch mehr, als Ben sie für eine spätere Unterhaltung hinter die Bühne einlädt.

Bevor die eigentliche Fragerei losgeht erklärt uns Ben, daß Farscape das absolut größte Phänomen in seinem Leben ist und wir die Daumen drücken sollen, was auch immer kommen mag. Auf die erste Frage antwortet er, sein denkwürdigster Tag sei der letzte gewesen. Allerdings gebe er jedes Mal eine andere Antwort. Heute sei es diese. Welchen anderen Charakter hätte er spielen wollen? Ganz definitiv Rygel, denn es hätten sich mehr Leute um ihn gekümmert und er war der Star der Show. Hat er schon etwas Neues geschrieben? Nein, noch nicht. Er kritzelt hier und da etwas herum, etliche Notizen seien im Haus verteilt, aber er würde nicht darüber reden. Nicht bevor es fertig ist. Ob er eine Vorstellung davon hatte, auf was er sich mit Farscape einläßt? Er erwidert, man hat keine Ahnung davon, was einen überhaupt in diesem Business erwartet. Es ist wie im Leben.

Dann will jemand wissen, welche Szene besonders bizarr für ihn war. Ben antwortet ohne groß zu überlegen. Rowan Woods als männliche Zhaan. In dem Moment, wo Rowan ganz in blau und nur spärlich gekleidet auf ihn zugekommen sei, da sei ihm irgendwie anders geworden. „At that moment I thought we just lost a third part of our fanbase.“ Zur Szene in Scratch’n Sniff. Ja, genau die. Mit den Netzstrümpfen. Sie hätten nicht gepaßt und wurden daher mit einer Unmenge von Klebeband an seinen Hinterbeinen befestigt. Er mußte sie außerdem den ganzen Morgen tragen. Dann wird er lieb gebeten, eventuell den Schrei nochmal zu wiederholen. Den Gefallen tut er uns. Whew! Damit macht er den Mädchen dieser Welt aber alle Ehre. What a hell of a scream!

Eine Frage folgt zu Infinite Possibilities, sie hätte schon auf einigen boards für Diskussionen gesorgt. War Talyn-John blind? Ben meint, nicht wirklich. Aber er hätte es so gespielt, daß John langsam sein Augenlicht verliert, sich die Sicht verschlechtert. Und er wollte Claudia diese Szene überlassen, damit sie sich da vollkommen reinhängen konnte. Apropos Talyn-John, und im Prinzip auch Moya-John. Ben kriegt eine Frage, als das mit der Teilung, der Spaltung passierte . . . er runzelt die Stirn. „Who split?“ Die Erleuchtung kommt über ihn. Ach ja, na klar, John Chrichton. Witzig sein Kommentar über die momentane Verwirrung. „I was just me for a second.“ Zurück zur Frage. Die ging darum, ob er da für zwei Verträge verhandelt hätte. Er antwortet mit einem Lachen, äußert sich dann zu dem Thema allgemein. Auf der einen Seite war das natürlich ein genialer Schachzug, auf der anderen Seite kann es auch in gewisser Weise den Todesstoss bedeuten. „Kiss of Death“. Denn es verwirrt neu hinzugekommene Zuschauer, die sowieso schon Schwierigkeiten haben, den Handlungsbogen aufzuholen. „Warte, Moment mal, der ist doch letzte Woche gestorben?!“

Eine Sache, die viele Fans mächtig argumentieren ließ. John in Mental As Anything. Wieso bloß greift er mit bloßen Händen in die heiße Glut, um den Schlüssel zu kriegen? Wieso benutzt er dazu nicht sein Shirt? Ben erklärt das so: John ist in diesem engen Käfig und die Wände sind total heiß. Alles, was ihn davor beschützt ist die Kleidung, die er an hat. Zieht er sein Shirt aus, wäre sein gesamter Oberkörper dem Risiko von Verbrennungen ausgesetzt. Außerdem, natürlich gibt es nachher immer etwas, was man hätte anpassen oder besser machen können. Mit dem engen Zeitplan im Nacken alles perfekt zu machen, war schier unmöglich. Die nächsten zwei Fragen lassen Ben leicht peinlich berührt aussehen und die Hände vor’s Gesicht schlagen. Ob ihm klar sei, daß die vierte Season inoffiziell den Namen „Season of Ass“ bekommen hätte, weil John’s Hinterteil irgendwie sehr oft ‚dargeboten’ wird? Und wie es sich anfühle, ein Sexobjekt zu sein? Die erste Bemerkung bezieht sich vor allem auf die Szene in Chrichton Kicks, wo John versucht, den Brindz Hound anzulocken. Ben meint, er hätte da verschiedene Sachen probiert, immer mal wieder die Aufnahmen davon studiert und schließlich sei das dabei herausgekommen. Er dachte nicht im Traum daran, daß man ihn deshalb als ein ‚Objekt’ ansehen würde. Sofort danach kommt eine weitere peinliche Frage, die aber mehr die Fans aufregt. Zum Glück war die Fragestellerin ein kleines Mädchen, und auch nur ihr wird verziehen, daß sie überhaupt daran gedacht hat. Sie will wissen, ob Ben gerne Claudia Black heiraten würde. Er ist sehr galant im Beantworten und sagt, er wäre schon verheiratet, und zwar sehr glücklich mit einer sehr hübschen Frau. Und das schon seit siebzehn Jahren. „I got what I want.“ Das kleine Mädchen erkundigt sich nach dem Namen seiner Frau, den wir natürlich alle kennen. (*flüster* Francesca Buller)

Ob seine Brüder noch Rennen fahren, will jemand wissen. Ja, zwei von ihnen tun das noch, aber nicht mit bush cars. Des weiteren eine Frage zu der Szene in Into The Lion’s Den, wo Scorpius John mit der Zerstörung der Erde droht. Waren das alles nachgemachte Wunden? Die blutende Lippe hätte so echt ausgesehen. Ben gibt zu, einige Wunden entstanden, weil Wayne ziemlich in die Szene hineinlebte, und obwohl er ihn gebeten hatte, seinen Kopf nicht auf den Tisch zu rammen, hätte Wayne es doch gemacht. Einige blaue Flecken an der Schläfe seien deshalb echt, aber die nachgestellten Wunden hätten im nachhinein viel echter ausgesehen als die eigentlichen.

Das Thema 11. September wird angesprochen. Er hat die Towers einstürzen sehen. Was ihn aber am meisten bewegt hat, waren die Menschen, die plötzlich zusammenwuchsen und eine Gemeinde wurden. Total Fremde haben sich gegenseitig geholfen, ohne nach dem woher zu fragen. Und das ist es, was zählt. Deshalb sei es wichtig, auch in heutigen Zeiten, füreinander einzustehen, keine Angst zu zeigen und mutig nach vorn zu schauen, so wie es die Menschen in New York vorgemacht haben.

Beim Drehen in Australien hat Ben am meisten seine Familie vermißt, in North Carolina. Er vermißt sie eigentlich immer, denn er kann nicht so oft nach Hause fahren, wie er gerne würde. Als letztes kommt ein Fan ans Mikro und erzählt Ben, er hätte vor kurzem eine Britin geheiratet. Der Fan ist Amerikaner. Ben erkennt die Parallelen und scherzt: „You’re in trouble, man.“ Dann erklärt er grinsend warum. „Du denkst, ihr redet über dieselben Dinge. – Ihr tut es nicht!“ Es käme ihm vor, als würde, ganz egal was er sagt, seine Frau das Gegenteil denken. Er sagt „that’s quite good“ und sie denkt „it sucks“. Die einzige Möglichkeit, sich aus Schwierigkeiten herauszuhalten, wäre dumm dreinzuschauen und zu sagen „I don’t know what you mean.“ Und bei jeder Sache, bei jeder Frage und jeder aufkommenden Diskussion immer wieder „I don’t know what you mean.“ Schließlich ist auch dieses Panel vorbei, und Ben bedankt sich bei uns. „You guys are the best!“ Dann werden Banner signiert und weg ist er. Allerdings nur für kurze Zeit.

Als ich in der kurzen Pause auf die Uhr sehe, bemerke ich schaudernd, daß wahnsinnig überzogen wurde. So sehr, daß das, was jetzt kommen soll, eigentlich schon fast vorbei sein müßte. Ich kriege Angst, daß die Veranstalter das folgende Panel streichen. Aber dem ist zum Glück nicht so. Und es geht auch sofort weiter. Mit dem heißersehnten John Quixote Live Commentary.

Die Kommentatoren sind allerdings nicht dieselben, die im Programm stehen. Es gibt zwei neue Namen. Na gut, so neu sind sie nun nicht gerade. Wer wegfällt ist Claudia Black, aus einem nicht erläuterten Grund. Alle anderen werden angesagt und kommen der Reihe nach auf die Bühne, um auf einem der fünf Stühle Platz zu nehmen. Paul Goddard, Jonathan Hardy, Ricky Manning, Gigi Edgley und natürlich als Script writer Ben. Über Gigi freuen sich glaube ich alle am meisten, da sie ja erst am nächsten Tag eingeplant ist. Gigi selbst scheint auch höchstvergnügt zu sein, hüpft sie doch freudig auf die Bühne. Bevor die Folge gestartet wird, plaudern alle ein wenig daher. Die Grundidee hatte DK, er wollte irgendwas in der Richtung Märchen machen. Und es sollte so dargestellt werden, daß nicht jeder gleich als gut oder böse abgestempelt wird. Ben hatte am Schreiben zwar zu knapsen, aber Green-Eyed Monster war trotzdem schwieriger gewesen, da es damals sein erstes richtiges Script war. Gigi wollte unbedingt Action haben (an dieser Stelle nicht Gigi den Fans heftig zu), außerdem war es eine gute Gelegenheit, einige vertraute Gesichter zurückzubringen.

Weiterhin erzählt Ben halb entrüstet, daß ursprünglich die Fahrstuhlszenen weggeschnitten werden sollten. Ich hatte ja die Gelegenheit, mir das Script in Ruhe anzusehen und durchzulesen, und muß ehrlich sagen, daß da ein Haufen Szenen drin sind, die es nicht auf den Bildschirm gebracht haben. Ich glaube auch, wenn man das ganze Script verfilmt hätte, wären mehrere Stunden Material zusammengekommen. Es ist doch wirklich ein Riesenunterschied zwischen dem, was geschrieben wurde und dem, was letztendlich in der Endfassung erscheint. Zumindest was Farscape betrifft. Ich weiß ja nicht, wie es bei anderen Filmen oder Serien ist. Ich habe zumindest als Vergleich ein Script vom dritten Star Trek Film zu Hause und kann beschwören, daß jedes einzelne Wort, so wie es da steht, auch tatsächlich im Film auftaucht. Entweder wurde das Script erst nach dem Verfilmen geschrieben oder die Dreharbeiten waren alles andere als kreativ, geschweige ist was improvisiert worden.

Aber zurück. Ricky bestätigt nochmals, daß jedes Wort aus Ben’s Feder stammt. Paul äußert sich zur Sonette. Es wäre riskant gewesen, so etwas in eine Science Fiction Show einzubauen. Und er hätte das Gedicht erst bekommen, als schon fast gedreht wurde. Bevor dann gestartet wird, erwähnt Paul sogar, daß er die Folge noch nie im Ganzen gesehen hat.

Das Licht wird ausgemacht und es geht los. Ich bekomme mit, daß alle fünf nach und nach ihren Stuhl verlassen und sich an den Rand der Bühne hocken. Die Stühle stehen nämlich so nah an der Leinwand, daß man von da aus überhaupt nichts erkennen kann. Aus zwei Gründen kann ich nun leider nicht viel berichten, was während der Episode kommentiert wurde. Zum einen ist es wie gesagt dunkel, und es läßt sich schlecht Notizen machen, wenn man nicht mal den Zettel sieht, auf dem man schreiben will. Dann kann ich niemanden vorn sehen, weil sich ja jeder nach unten gesetzt hat. Der Ton der Folge verfließt teilweise mit den Kommentaren, so daß ich a) Schwierigkeiten habe, beides zu trennen und b) manchmal noch nicht mal sagen kann, wer gerade was gesagt hat. Die Folge ist hier an einigen Stellen geschnitten und unterbrochen worden, um wohl Gelegenheit zu geben, Raum für Diskussionen zu lassen. *lol* Zuerst hatte ich gedacht, die Technik hätte schon wieder versagt.

Ganz offensichtlich gibt es auch einige im Publikum, die zum ersten Mal in den Genuß der Folge kommen. Mein Nachbar ist einer von ihnen. Regelrecht fasziniert von allem beginnt er immer wieder zu knurren, wenn ein Kommentar erfolgt und er die Dialoge nicht verstehen kann. Alles in allem ist das Panel jedoch Klasse und ich denke eigentlich, daß nichts von solcher Wichtigkeit gesagt wird, daß jetzt jemandem was fehlen würde. Meist sind es beiläufige Kommentare. Was mir einfällt ist der Satz, den Chiana am Ende sagt, als sie dem Spiel schließlich entkommen. „We’re not dead. How drad is that?“ Ich denke es war Ricky, der witzelte, wie oft das eigentlich schon jemand in einer Farscapefolge am Ende gesagt haben muß. Ben witzelte weiter und meinte „Just multiply by 88.“ Zu Zhaan’s Erscheinen, beziehungsweise Virginia’s, meinte jemand, daß alles so geheim gehalten wurde. Kein Name zu Beginn der Folge, Credit erst zum Schluß, und dann machte der SciFi Channel massenweise Werbung für die Folge, und daß Virginia Hey dort auftreten würde. Soviel zur geplatzten Überraschung. Ach ja, die Szene wo Aeryn John im Korridor küßt, nachdem sie sagt, sie wäre nur wegen ihm zurückgekommen. Gigi ist wirklich ´ne Marke! Mitten im Kuß wirft sie ein heiteres „stick it in“ dazwischen, was im Auditorium mächtige Erheiterungen auslöst und eine Bemerkung von Ricky, daß diese Stelle später ganz sicher geschnitten wird. Das war also soweit das JQ Panel und unsere fünf Kommentatoren verabschieden sich.

Es ist erneut Pause. Andrea und ich nehmen ein paar tiefe Atemzüge, strecken unsere Beine und stellen sodann fest, daß wir seit dem Frühstück nichts gegessen oder getrunken haben. Und draußen ist es bereits wieder dunkel. Man ist irgendwie so hypnotisiert von allem, daß man die grundlegensten Dinge vergißt. Wir erheben uns und laufen ein wenig den Flur auf und ab. Im Saal, wo es ansonsten Essen gibt, findet gerade eine Auktion statt. Also halten wir uns an unser Obst und die altbewährten Müsliriegel. Ich werfe im Vorbeigehen einen Blick auf den Tisch, an dem ich gestern die Flyer untergebracht habe. Sie sind noch da, und ihre Stückzahl hat zu meinem Jubel abgenommen. So teuer wie die Kopien waren, will ich wenigstens jedes Exemplar unter die Leute gebracht haben.

Und nun beabsichtige ich endlich eines der Dinge tun, die ich fest auf meiner To-Do-List habe. Catluckey finden und Hallo sagen. Sie ist eine meiner Co-Schreiberinnen, und wir haben schon eine Menge private Mails ausgetauscht. Sie ist die einzige von unserem Projekt, die außer mir in Burbank ist. So eine Gelegenheit darf nicht verpaßt werden. Ich wußte zwar vorher nicht, wie Catluckey aussieht, aber wir hatten die Sitznummern ausgetauscht, also war ich in der Lage gewesen, während der Panels schon mal rüberzuschielen. Meine Schwester erspäht sie noch vor mir. „Da vorn ist sie.“ Also hin und auf die Schulter getippt. Sie dreht sich um, mit ihrer Zeichenmappe in der Hand. Ich weiß eigentlich schon, daß sie es ist. Trotzdem frage ich nach. „Are you Catluckey?“ Sie nickt erstaunt. „Hi, I’m RueScap. Ulrike.“ Plötzlich weiten sich ihre Augen und sie breitet erfreut die Arme aus. „Ruuuuuuuuee!“

Wow, was für ein Empfang. Erstmal Begrüßung, dann Schwester vorstellen. Nochmal Begrüßung. Ich bin ganz außer mir. Sie scheint es auch zu sein. Wir wandern wenig später wieder den Flur entlang, weil Catluckey offenbar jemanden sucht. Zwischendurch fragt sie Andrea, wie es ihr hier gefällt. Meine Schwester deutet an sie versteht nicht recht, und ich antworte für sie. Es wäre ganz toll, aber sie ist kein Fan. Nach ungefähr dreimal den Gang hin- und zurückschlendern entscheidet Cathy, daß sie diejenige, die sie sucht, momentan nicht finden wird. Sie fragt, was wir jetzt machen, worauf ich erwähne, ich würde schon gern die Amateurszene der von Ricky ausgesuchten Fans sehen. Irgendwie komme ich dann doch nicht dazu, denn Catluckey hat vor ihre Mappe rüber ins Hotel zu bringen. Ob ich denn nicht mitkommen will. Naja, warum eigentlich nicht. Meine Schwester bleibt freiwillig zurück und setzt sich wieder ins Auditorium, während wir losmarschieren. Zuerst in die Hotel-Lobby. Hier sieht man ganz eindeutig, daß dieses Hotel einige Sterne mehr hat als unseres. Die Lobby ist gigantisch. Ebenso die Ledersessel, in die wir uns gleiten lassen. Catluckey will mir erst ihre Zeichnungen zeigen. Für alle, die es nicht wissen: sie zeichnet einfach gigantisch. Ihre Werke können auf Dallascaper bewundert werden. (Schleichwerbung am Rande)

Ich komme in den Genuß der vollständigen Mappe, kriege schließlich sogar eine Vergrößerung ihres Chiana-Bildes, welches auch ihr Avatar auf Kansas ist, geschenkt. Während ich mir die Zeichnungen ansehe, wird etwas geschwatzt, wobei ich an dieser Stelle so ziemlich das erste richtige Gespräch auf Englisch führe. Kurze Sätze an Hotelangestellte oder Taxifahrer zählen irgendwie nicht. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, aber glücklicherweise scheint Cathy alles zu verstehen, was ich sage, und ich habe andersherum auch keine Schwierigkeiten. Nach Bestaunen des Mappeninhalts suchen wir den Fahrstuhl. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir müssen am Ende sogar einen Bediensteten fragen. Ooops, peinlich. Oben im Zimmer angekommen stelle ich fest, daß dieses Vierbettzimmer aber kleiner als unser Zweibettzimmer ist. Nicht immer sind mehr Sterne auch wirklich mehr. Die Zeichnungen bleiben zurück und wir machen uns sogleich wieder auf den Weg zum Convention Center. Wo ich dann noch eine Frage stelle, die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge brennt. „Könnte ich eventuell morgen beim Frühstück an deinem Tisch sitzen?“ Zwar eine einfache Frage, aber ich will mich nicht aufdrängeln, und wer weiß, wer schon alles mit ihr zusammensitzt. Aber meine Schwester kommt morgen definitiv nicht mit. Und da ich sonst noch keinen kenne . . .

Cathy reißt die Augen schon wieder auf und bedankt sich plötzlich bei mir, weil ich ihr Gesellschaft leisten will. Weitere Umarmungen folgen und sie bekräftigt, natürlich könne ich an ihrem Tisch sitzen. Ihre Zimmergenossen sind ajshipper, ScaperRed und Virgo. Sie wird ihnen schon klar machen, daß ein weiterer Platz für RueScap reserviert wird. Bei mir plumpst ein Stein vom Herzen. Warum mache ich mir eigentlich so viele Gedanken? Dann trennen sich unsere Wege wieder, da sich Catluckey an einen erneuten Versuch wagt, die betreffende Person zu finden und ich nach meiner Schwester Ausschau halte. Sie ist im Auditorium, und ich komme gerade rechtzeitig, um die Szene mit den Fans um den Bruchteil einer Sekunde zu verpassen. Da Andrea nicht viel verstanden hat, kann sie mir auch nicht sagen, was genau in der Szene eigentlich vorkam. Ein Team soll jedenfalls ziemlich lausig gewesen sein. Der John-Darsteller hätte sogar beim einfachen Text „Aeryn . . . Aeryn!“ auf sein Script geguckt. Den Kuß hätte jemand vermieden, indem er rechtzeitig vorher ausgewichen wäre und weitergespielt hätte. Richtig gut war aber anscheinend das Team mit der jungen Frau, die John Chrichton dargestellt hat. Alle drei in dieser Gruppe kamen ohne Script klar und führten die Szene bis zum Schluß zu Ende. Inklusive Kuß, der natürlich zwischen Aeryn und John stattfand. Na gut, soweit dazu und auf zum letzten Panel für heute. Diesmal begrüßen wir Raelee Hill, David Franklin und Jonathan Hardy.

Die drei werden ebenso begeistert begrüßt wie alle anderen zuvor. Jeder schnappt sich ein Mikro und macht es sich im bereitgestellten Stuhl bequem. Raelee sieht einfach spitze aus, David präsentiert sich uns im Wuschellook, nicht ganz frisch rasiert und kaugummikauend, und Jonathan Hardy hat tatsächlich eine leichte Ähnlichkeit mit einem gewissen Dominar. Gleich zu Beginn fragt David Jonathan, ob er denn jemals eine Synchronisation von Rygel gehört habe. Jonathan bejaht und führt als Beispiel Deutschland an. Da wurden nur leider manchmal Sätze oder Wörter falsch verstanden und demzufolge auch falsch synchronisiert. Irgendwo hätte Rygel mal so was wie ‚nightynight’ gesagt und daraus wurde ‚ninetynine’, was den Sinn fuchtbar gräßlich entstellte. Kurz darauf erzählt Jonathan was von einem Spiel, sportmäßig gesehen, und Raelee beugt sich soweit vor, daß sie beinah aus dem Stuhl fällt, weil sie unbedingt das Ergebnis wissen will. Ehrlich, Raelee ist unglaublich, lacht einfach traumhaft und staunt genauso wie Sikozu in dem Moment, als John zum ersten Mal ein Wurmloch voraussagt.

Sie erzählt uns dann auch eine klasse Geschichte. In Australien hätte sie in einem Bus gesessen, und nicht weit von ihr war ein Pärchen. Er erzählte ihr begeistert etwas und Raelee wunderte sich schon, worüber er sich so aufregt. Als er plötzlich Farscape DVD’s aus seiner Tasche holt. Im selben Augenblick bekam Raelee einen Schreck und hoffte, sie würden sie nicht erkennen. Sie konnte ja auch nicht einfach auf beide zugehen und sagen „Hey, ich spiel da auch mit.“ Also wartete sie und atmete schließlich erleichtert auf, als das Paar ausstieg, ohne zu wissen, mit wem sie gefahren waren. Kurz darauf räusperte sich jedoch jemand hinter ihr und flüsterte ihr zu: „Sie wußten nicht, daß du unter uns bist. Aber ich weiß, wer du bist, Sikozu Shanu.“

Das Frage- und Antwortspiel geht schließlich los, und die drei haben zuerst Schwierigkeiten mit der Koordination, da die Fragen abwechselnd von beiden Seiten kommen. Aber es pendelt sich ein. Wenn einer von ihnen dupliziert worden wäre, wer wären sie gewesen. Raelee: ein unsichtbarer Zwilling, sehr mächtig, mit der Fähigkeit an Wänden hochzugehen. Hm, können Kalish das nicht sowieso schon? David: er hätte seinen Zwilling ganz sicher wegsperren müssen. Jonathan: würde die Konkurrenz mit aller Wahrscheinlichkeit nicht aushalten und sich selbst umbringen.

An dieser Stelle gibt David eine kleine Musikeinlage. Eine Elvis-Imitation mit „Heartbreak Hotel“. Erste Sahne. Er könnte durchaus damit Geld verdienen, wenn er mal keine Rollen mehr kriegt. Raelee wird gefragt, wie es war, vollkommen neu zum Team zu stoßen. Sie meint, sie hatte ziemlichen Bammel davor, weil sie auch keine Ahnung hatte, inwiefern man ihren Charakter herumschubsen würde. Die nächste Frage geht an alle. Wenn es eine Musicalfolge gegeben hätte, was hätten sie singen wollen. Ich bin mir nicht sicher, aber Raelee erwähnt etwas von auf Pilot’s Konsole liegen. Irgendwo anders habe ich später gelesen, daß sie gerne etwas Jazz in Netzstrümpfen gehaucht hätte. Die Antworten der anderen verpasse ich leider. So langsam merke ich, wie die Konzentration doch erheblich nachläßt, und der australische Akzent kommt bei allen recht stark zum Ausdruck. Ist Jonathan eigentlich Australier? Jedenfalls, diesmal zeigt uns Jonathan Hardy sein Gesangstalent und gibt ein Stück aus einer Oper zum Besten. Ja, doch. Der Mann kann mindestens genauso so gut singen wie der Rest. Gibt es eigentlich jemanden, der nicht singt?

David wird auf die Szene in Bad Timing befragt, wo Braca am Fenster steht und Scorpius und Sikozu beobachtet, die sich in der Scheibe widerspiegeln. Sein Kommentar dazu: „I love to watch!“ Als die nächsten Fragen weiterhin an David oder Raelee gehen, spielt Jonathan den beleidigten Komiker und tut so, als ob er sein Mikrofon verschlucken würde. Dann versteckt er es unter seinem Pullover. Überhaupt scherzt er viel herum, und betitelt die Fans mit einer Menge merkwürdiger Phrasen, so wie zum Beispiel „Speak, you ludicrous biest!“ Auch untereinander wird eine Menge geneckt, so daß wir Fans voll auf unsere Kosten kommen.

Was würden die drei momentan gerade machen, wenn sie nicht gerade mitten im Panel auf einer Convention sind? Raelee erzählt, sie hätte wohl gerade einen Buchladen aufgemacht. David ist zur Zeit mehr in den Staaten als in Oz und tingelt da herum, kann also schlecht irgendwelche Rollen zu Hause annehmen. Übrigens, während dieser ganzen Auftritte, jetzt und auch schon vorher, sitzt Ricky ein paar Reihen vor mir im Publikum und hört genauso gespannt zu wie alle anderen. Das finde ich total cool, um es mal so auszudrücken. Jonathan Hardy beweist erneut Witz, als nach Ideen gefragt wird, wie man die story fortsetzen könnte. Er stellt sich sowas vor wie: Rygel P.I., oder Rygel M.D., als letzte Möglichkeit fände er es auch interessant zu sehen, wie es wohl wäre, wenn Scorpius und Rygel das zu erwartende Baby adoptieren würden. Na, ich weiß nicht. Gefragt wird zuletzt nach dem jeweiligen Lieblingszitat, aber das geht bei mir unter. Und leider ist der Auftritt damit auch vorbei. Mann, wie schnell doch manchmal die Zeit vergeht.

Als die drei weg sind, bleiben wir kurz sitzen und begeben uns alsdann in den Vine Raum. Dort sind die PhotoOpts des heutigen Tages fertig zum Abholen. Man muß nur hingehen und auf den zahlreichen Tischen nach seinem Gesicht suchen. Da ich gestern meine Fotos total vergessen hatte, suchen wir gleich nach drei Bildern. Wir finden sie schließlich auch und ich bin überglücklich, Beweisfotos zu haben, denn bereits jetzt kommt mir alles so unwirklich vor. Langsam kehren wir zurück in den Saal und lassen uns wieder nieder. Eile habe ich keine, da zwei sehr lange Autogrammschlangen noch vor mir liegen. Auf der einen Seite Raelee, und auf der anderen Seite David und Paul. Eigentlich sind diese beiden auch nicht allein, sondern sitzen neben Jonathan Hardy und Bianca Chiminello. Aber für die beiden habe ich kein Ticket. Da Paul und David gestern schon Autogramme gegeben haben, ist der Ansturm bei ihnen gar nicht mehr so groß. Ich reihe mich also ein und es geht flott vorwärts. Diesmal habe ich auch keine Sorge wegen der Autograph Tickets, denn es sind gültige in meiner Tasche. Heute morgen erstanden. Und sie sehen genauso aus wie die Tickets in den Händen der Leute vor und hinter mir.

Bald trennt sich die Schlange in vier kleinere Schlängelchen auf. Der Großteil steht für David an, was ich so sehe. Deshalb werde ich von Creationmitarbeitern nach Vorzeigen der Tickets in die Riege für Paul geschoben. Und da ist auch mal wieder Pat. Eigentlich klasse, was einige Mitarbeiter hier so leisten. Viele von ihnen sind Freiwillige, sie machen ihren Job wirklich hervorragend. Sind kein bißchen unfreundlich oder schubsen uns herum. Eher im Gegenteil. Wir kriegen plötzlich Komplimente zu hören. Hach, das rieselt den Rücken hinunter. Wir Farscape-Fans seien wirklich ein Vorbild, eigentlich wäre es ganz gut, wenn wir anderen Fans mal zeigen würden, wie man sich auf Conventions zu benehmen hat. Es würde nämlich bei weitem nicht immer so diszipliniert zugehen. Tja, wir sind eben eine einzigartige Fangemeinde. Als Dankeschön für den Dank grinsen wir nur und rücken artig in der Reihe vor. Endlich komme ich bei Paul an und man würde es nicht für möglich halten, aber da ist niemand, der mein Ticket sehen will. Jetzt hab ich schon mal ein richtiges Ticket, wie es sich gehört, und keiner sammelt es ein!

Na, egal. Paul begrüßt mich, während ich mein John Quixote Script hinüberreiche. „Hi, how are you doing? To you . . .“ Ich nicke. „ . . . yeah, what’s your name?“ Ich deute auf meinen Button und sage ihm meinen Vornamen. Endlich ist dieser Anstecker mal für was gut. Da kann er wenigstens gleich sehen, wie mein Name geschrieben wird. Paul blättert ein paar Seiten um. „Can I write here? It’s easier.“ Na klar, er kann hinschreiben, wohin er mag. Wie ich sehe, ist sein Stift nicht für die folienartige Vorderseite des Scripts geeignet. Er arrangiert die Seite und starrt dann auf meinen Button. „U – L – R – I – K –E“, murmelt er mehrere Male vor sich hin, während er losschreibt. Ein kleines Sprüchlein erscheint auf einer der Innenseiten, dann ist er fertig. Ich bedanke mich und rücke weiter, in die Schlange für David. Vor mir sehe ich viele Leute mit Glanzfotos. Kaum mit Fingerspitzen werden sie angefaßt und wie rohe Eier behandelt. Hat hier eigentlich noch jemand etwas zum Signieren, das kein Foto ist?

Als ich vor David stehe, entschuldige ich mich bei ihm, daß ich kein Foto, sondern nur ein Script habe. Genaugenommen eines, in dem er noch nicht mal drin vorkommt. Aber anscheinend macht ihm das nichts aus. Hier werde ich auch endlich mein Ticket los, denn David hat es offenbar selbst in die Hand genommen, diese einzusammeln. Vielleicht braucht er sie noch für später, denn da ist bereits eine beträchtliche Anzahl in einer kleinen Federtasche neben ihm. Nachdem er unterschrieben hat, fragt mich David plötzlich, wo ich herkomme. „Germany.“ Dann verstrickt er mich in eine Unterhaltung übers Synchronisieren. Ich betrachte ihn mir währenddessen etwas genauer. David sieht leicht übermüdet aus, aber das könnte auch seine normale Erscheinung sein. Seine Haare sind ein einziges Durcheinander, theoretisch könnte er der Mann sein, der neben dir an der Ampel darauf wartet, die Straße überqueren zu können. Ich versuche, in ihm Braca wiederzuentdecken, was gar nicht einfach ist. Jedenfalls ist David äußerst sympathisch. Er fragt, ob ich Farscape in Deutschland mit den synchronisierten Stimmen gesehen habe. Ich erwidere, die ersten zwei Staffeln hätte ich das wohl, aber dann wäre die Serie bei uns nicht mehr gelaufen und ich hätte mir daraufhin die DVDs gekauft und seither nur noch Englisch geguckt, weil das wesentlich besser klingt. Die deutsche Version sei einfach furchtbar. Dann will er wissen, ob bei uns denn alles synchronisiert wird. Ich bejahe wieder. (Soweit ich weiß, sind wir eines der wenigen Länder, bei denen das gemacht wird. In Schweden zum Beispiel zeigen sie Filme und Serien im Original, mit Untertiteln.) Wir kommen beide überein, daß das wirklich eine schlechte Sache ist. Dann fällt mir dummerweise nichts mehr ein, und ihm wohl auch nicht, und wir nicken uns ein Auf Wiedersehen. Jetzt weiß ich auch, wieso bei David die meisten anstehen. Wenn er mit jedem in einen Smalltalk verfällt, kein Wunder.

Mit zwei Unterschriften mehr kehre ich zu Andrea zurück. Die Schlange auf der anderen Seite ist noch recht lang, also setzen wir uns an den Rand der Bühne und ich zücke meinen Stapel an heutigen Notizen hervor. Meine Schwester muß darüber aufgeklärt werden, was sie sich den ganzen lieben langen Tag angehört hat. Als wir durch sind, fällt mir ein, daß ich ein Foto von Catluckey machen wollte. Wir suchen sie in der Raelee-Schlange und sie willigt sofort ein, sich mit mir fotografieren zu lassen. Supi! Letztendlich sind inzwischen die meisten Fans auf dem Weg nach Hause oder ins Hotel, und das Auditorium wird für die Samstag Abend Party umgebaut (auf die ich nicht gehen kann, weil ich kein Goldticket habe). Ich reihe mich deshalb doch ein und während ich mich dem Autogrammtisch nähere, kommt da wieder die quälende Ungewißheit auf, ob mein Preferred Seating Ticket ausreichen wird. Die Stimmung ist jedoch so aufgelockert, daß ich gar nicht danach gefragt werde, sondern gleich mein Autogramm kriege. Es ist ja auch gleich Schluß, denn hinter mir sind nur noch ganz wenige besonders Geduldige. Raelee fragt ebenfalls nach meinem Namen und wählt dieselbe Seite wie Paul. „Hi, what’s your name? Oh, I see. Ulrike.“ Sie muß zum Glück nicht auf meinen Button starren, sondern hat die richtige Schreibweise im Script direkt vor sich. Paul hat ja schon Vorarbeit geleistet. Ich kriege noch ein „See you!“ zum Abschied und verlasse den Autogrammbereich, und schließlich auch das Convention Center zusammen mit meiner Schwester.

Wow, war das ein Tag! Ziemlich kaputt kommen wir im Hotel an, wählen wieder Suppe von unserer mageren Speisekarte und versuchen anschließend, ins Bett zu gehen. Ich bin von dem ganzen Tag so gefangen, daß ich Angst habe, wenn ich die Augen zumache oder eventuell sogar einschlafe, daß alles nach dem Aufwachen nur ein Traum gewesen sein könnte. Eine Stunde später übermannt mich letztendlich doch die Müdigkeit.

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