OFFICIAL FARSCAPE CONVENTION BURBANK Nov. 2004

von RueScap

 
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Burbank, November 2004. Ein Donnerstag Abend. Hilton-Lobby. 6000 Meilen entfernt von zu Hause. (Das ist Berlin, in meinem Fall.) Mehrere Dutzend recht auffälliger Individuen bewegen sich in der Hotelhalle auf und ab, sondieren dabei die Räumlichkeiten oder sitzen in den zahlreichen Ledersesseln, immer ein Auge auf ihren Koffern undefinierbaren Inhaltes, während das andere forschend durch die Gegend schweift – auf der Suche nach dem Gesicht eines Komplizen. Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, erfolgt der Austausch heimlicher Informationen, unter dem Deckmantel von Umarmungen und lauthalsigen Begrüßungen. Die Verdächtigen kommunizieren allesamt mit Hilfe einer ausgeklügelten Codesprache. Einige der Wörter fallen immer wieder, ganz besonders ein Ausdruck, der klingt wie – Fire Escape.

Die Sache käme mir äußerst verdächtig vor, wäre ich nicht eines dieser besagten Individuen. Mein Codename ist RueScap. Ich sitze auch in einem der Ledersessel, und habe die Prozedur des Räumlichkeitensondierens und Umarmungsinformationsaustausches schon hinter mir. Der Grund, weshalb ich trotzdem noch immer im Sessel sitze, ich bin momentan zimmerlos. Genaugenommen gegenwärtig sogar kofferlos. Zu allem Überfluß befinde ich mich auch noch in der „Ich wollte doch unbedingt gesund bleiben und kriege jetzt aber trotzdem Halsschmerzen“ – Phase. Das es mich kratzt, kratzt mich nicht wirklich. Ich bin schließlich hier. Hilton-Lobby. 6000 Meilen entfernt von zu Hause. Es ist der 19. November. Es ist Burbank, 2004. Es ist Farscape Convention.

Angereist im Hilton bin ich mit zwei realen und drei in-spirit Begleitern. Keiner von ihnen gehört zu meinen Zimmergenossen. Wäre es so, würde ich nicht mehr im Sessel sitzen. Gabi und Elle, meine beiden Begleiter aus Deutschland, haben ihre eigene Suite und verschwinden in eben diese. Unsere Wege trennen sich hier vorerst, weil ich mich vor längerer Zeit entschlossen hatte, mit meiner Freundin Sandi alias ajshipper zusammen zu wohnen. Meine anderen drei Reisegefährten – Chani, Sunari und Catluckey – sind noch gut verpackt im Rucksack. Ich wette, irgendwann wird ihnen aber langweilig werden und sie wollen mehr als nur die Lobby sehen. Ich würde auch gern mehr als nur die Lobby sehen.

Während ich warte, pflege ich meine Halsschmerzen. Eine Frucht meines recht frostiges Verhältnis mit der Klimaanlage unseres Mietwagens. Zum Glück bin ich im Besitz eines geheimen asiatischen Gegenmittels namens Echinacea. Warum ich warte ist, wie ich später erfahre, auf einen Fall von miscommunication zurückzuführen. Und weil sich in meinen Nachnamen ein Schreibfehler eingeschlichen hat.

Laut meinem Kenntnisstand wollte Sandi bereits am späten Vormittag im Hilton eintreffen. Unser Zimmer ist auf ihren Namen reserviert. Trotzdem hat sie einige Zeit vor der Convention meinen Namen (plus den unserer beiden anderen Zimmergenossen) an die Rezeption weitergegeben. Nur für den Fall. Kein Problem. Denke ich. An der Rezeption sagt man mir, daß weder eine Sandi M. eingecheckt hätte noch mein Name in der Liste der Mitbewohner vertreten sei. Aufgrund der späten Stunde kommt mir das recht merkwürdig vor, aber noch nicht unmöglich. Ich gebe also meinen Koffer ab, suche die privaten Örtlichkeiten auf – und lande schließlich im besagten Sessel. Gabi kommt ab und zu vorbei und bietet mir mehrfach das Sofa in ihrer Suite an, sollte sich keiner meiner Zimmergenossen anfinden. Das beruhigt mich ungemein. Dennoch warte ich weiterhin. Jedes Mal, wenn sich die Haupttüren öffnen, verrenke ich meinen Hals. Ich sehe bekannte Gesichter von letztem Jahr. Farscape Fans zuhauf. Keine Sandi. Ich kriege allmählich Panik. Elle und Gabi suchen mich erneut auf und überreden mich, eine Nachricht an der Rezeption zu hinterlassen und mit zum Dinner in den Daily Grill zu gehen. Gesagt, getan. Ich kritzele einige Zeilen auf einen Notizzettel und verschwinde. Endlich mal raus aus der Lobby. Wenngleich auch nur einige Meter, denn der Daily Grill befindet sich direkt daneben. Wir sitzen zu fünft am Tisch. Gabi, Elle, ich, Kyntio aka Cinzia aus Zürich und ihr Freund Robert aus England. Ich habe Kyntio schon kurz während des bereits erwähnten Umarmungsinformationsaustausches an der Rezeption kennengelernt. Ebenso Frellnik aka Lisa, die mitsamt Bruder angereist ist und ebenso wie wir alle ein Mitglied des BBO Forums ist (BBO = BenBrowder-Online.com).

Für meinen Hals bestelle ich Tee, kriege dafür eine kleine Kanne mit heißem Wasser, eine Tasse und ein ganzes Körbchen mit einem vielfältigen Sortiment an Teebeuteln. Hunger habe ich eigentlich keinen, aber es gibt Brot und Butter für alle, damit das Warten auf das Hauptgericht nicht zu langweilig ist. Also schmiere ich mir eine Scheibe und nage daran herum. Während wir uns unterhalten, schweift mein Blick immer wieder durch den Raum. Der Saal ist gefüllt mit Scapern, und es strömen immer weitere herein. Einige spielen Billiard, andere stehen an der Bar, die meisten sind beim Dinner. Es herrscht eine ziemliche Lautstärke.

Als ich mein Teewasser so gut wie verbraucht habe, sehe ich eine rothaarige Frau durch die Gegend schweifen und sich suchend umschauen. Ich habe Sandi letztes Jahr nur kurz persönlich kennengelernt, bin mir aber sicher, daß sie es ist. Auch, obwohl sie an unserem Tisch vorbei geht und dann unschlüssig stehenbleibt. Ich renne hinterher und tippe sie an. Yep, das ist sie. Hurra, ich habe ein Zimmer. Nach einer umschwenglichen Begrüßung verabschiede ich mich von den anderen und wir begeben uns an die Rezeption, um mich einzuchecken. Dabei stellt sich heraus, daß Sandi wirklich seit dem Vormittag im Hotel ist und der Zettel mit meiner Nachricht auch prompt zugestellt wurde, gleich nachdem ich ihn abgegeben hatte. Ich schiebe meine Verwirrung beiseite. Auch mein Name ist in besagter Zimmerliste vorhanden, allerdings durch den vorher erwähnten Schreibfehler nicht mit dem in meinem Pass identisch. Mir werden Schlüsselkarte und Koffer ausgehändigt und ich kann endlich meinen Kram im Zimmer abladen. Nachdem Sandi mit großem Entzücken meinen BBO Sticker bewundert hat, verschwindet sie zurück in den Daily Grill, wo sie mit einigen anderen Leuten ihr angefangenes Dinner beenden will.

Beim Auspacken treffe ich Jen, die kurz ins Zimmer kommt, um was zu holen. Sie ist eine meiner anderen beiden Mitbewohner. Lu alias shipsister, die vierte im Bunde, werde ich später am Abend noch treffen. Weil es mir zu ruhig im Zimmer ist, gehe ich wieder runter in die Bar, um Gabi, Elle und co. nochmal Gesellschaft zu leisten und die frohe Kunde zu überbringen, daß ich im Besitz eines Schlafplatzes bin. Außerdem leite ich den Wunsch von Sandi weiter, daß sie auch gern so einen Sticker von BBO hätte. Wir sind beide glücklich, denn sie kriegt einen, unter der Auflage mal im Forum vorbeizukommen und zu posten.

Irgendwann später dann trennt sich mein Weg von den anderen. Sandi und ich finden endlich Zeit, im Zimmer in Ruhe miteinander zu quatschen. Wir überreichen mitgebrachte Geschenke und sie teilt mir mit, daß sie eine höllische Erkältung hat. Mich würde das nicht weiter stören, aber wir teilen ein Bett. Ich werfe etwas Echinacea ein.

Zu vorangeschrittener Stunde öffnen sich schließlich die Pforten des Convention-Centers für die Besitzer der Goldtickets. Pre-Registration. Sandi und ich schnappen uns unsere Unterlagen und schlendern zum benachbarten Center, um uns in eine recht lange Schlange einzureihen. Die Registrierung dauert nicht sehr lange und verläuft unkompliziert. Auf den Namen hin werden Tickets, das Programmheft und ein „Schnell-Durchlaß-Armband“ ausgehändigt. Schon ist man in den heiligen Hallen. Direkt am Tisch mit dem Merchandising. Glanzfotos, Shirts, Scripts, Tassen und hast du nicht gesehen. Bevor ich mir auf die Finger klopfen kann, habe ich bereits Teil 2 vom PKW-Script und ein T-Shirt gekauft. There goes the money. Auch ein Geschenk kann ich einsacken, denn das geht mit dem Goldticket einher. In diesem Jahr ist es eine Münze, in die auf der einen Seite Moya und das Ausstrahlungsdatum von PKW eingraviert sind. Auf der anderen Seite prangen John und Aeryn.

Nach Abschreiten sämtlicher Gänge im Convention-Center und mehrmaligem Passieren der Merchandise-Tische entscheiden wir uns, mit dem Geld ausgeben Schluß zu machen und den Abend für vorbei zu erklären. Zurück auf dem Zimmer entschließt sich Sandi aufgrund ihrer Erkältung schlafen zu gehen. Auch die anderen beiden sind inzwischen eingetrudelt, und da wir alle einen langen Tag hinter uns haben, folgen wir Sandi bald ins Land der Träume.

Statement:

Ich gebe diese Ereignisse und Zitate nach bestem Wissen und Gewissen wieder, kann aber nicht dafür garantieren, daß ich wirklich alles so verstanden habe, wie es gesagt worden ist. Interpretation ist meine Weise zu schreiben. Zugunsten der Authentizität und weil es einfach besser klingt, belasse ich sämtliche Zitate in ihrem Originalzustand.