Hilfe für Moya

von Sky, E-mail: sky@farscape-germany.de

Ich hab mich an eine Fanfic gewagt und hoffe, sie gefällt euch.

Alle Rechte von Farscape liegen natürlich bei Rockne S. O’Bannon, Jim Henson Corp., Hallmark Entertainment, The SciFi Channel.

Die Geschichte spielt gegen Ende der ersten/Anfang der zweiten Staffel.

Die Story ist von mir frei erfunden, eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind reiner Zufall.

Kritik und Anregungen sind ausdrücklich erwünscht.

Commerce Planet

“Wir sind nicht zu deinem Vergnügen hier, Crichton” Aeryn sah sich genervt um.

Doch John hatte gar nicht zugehört. Er stand fasziniert vor einem Stand und besah sich die Auslagen des Händlers.

Dieser witterte ein gutes Geschäft und fing an, Crichton seine Angebote schmackhaft zu machen.

“Wenn ihr euch dies hier mal ansehen wollt” sagte er und nahm einen Gegenstand hoch, den Crichton für einen Bohrer halten würde.

“Dieser Galschik wird euch nützliche Dienste erweisen und er ist sehr günstig.”

“Wir brauchen aber keinen Galschik”, Aeryn trat näher.

“Habt ihr Clorium oder Chakan Oil?” fragte sie den Händler.

“Ehm – nein. Der Handel mit Clorium und erst recht mit Chakan Oil ist strafbar”, sagte der Händler.

“Dann wollen wir nichts von euch kaufen”, sagte Aeryn.

“Crichton komm endlich.” Aeryn packte John’s Arm und zog ihn fort.

“Aber vielleicht hätten wir dieses Ding ja doch brauchen können” Crichton drehte sich noch mal um und sah den Händler, der sich schon neuen potentiellen Kunden zugewandt hatte.

“Du weißt doch gar nicht, wozu man ein Galschik braucht.” Aeryn sah sich konzentriert um und hielt Ausschau nach D’Argo, den sie hier treffen wollten.

“Nein, das stimmt. Ich vermute um Löcher zu bohren?” Er lächelte Aeryn an.

“Nein, dazu benutzt man einen Kanokstab”, Aeryn sah Crichton zweifelnd an.

“Ein Galschik ist eine Art Detektor und wenn du nicht vorhast, nach Gesteinen zu suchen, brauchst du keinen. Er war sowieso schon sehr alt. So was nutzt niemand mehr.”

Aeryn rollte mit den Augen. Dieser Mensch war ganz schön anstrengend.

Sie vergaß oft, das Crichton eine fremde Spezies war, der in ihrer Welt vollkommen fremd war.

Und doch, er sah aus, wie ein Sebaceaner und das machte die ganze Geschichte noch schwieriger.

So fiel es ihr noch schwerer, ihn einfach zu ignorieren, denn er nahm mehr Platz in ihren Gedanken ein, als ihr lieb war.

* * *

D’Argo kam über den Platz und lenkte Aeryn von ihren Gedanken ab.

“Hast du Erfolg gehabt?” John sah ihn fragend an.

“Nein, es gibt keine Möglichkeit, hier Clorium zu bekommen. Ich habe mich komplett durchgefragt. Der Handel ist verboten, wenn man den Leuten glaubt.” D’Argo blickte finster von John zu Aeryn.

“Hattet ihr mehr Erfolg?” fragte er.

“Nein” Aeryn blickte mittlerweile nicht weniger finster, als D’Argo.

“Hier scheint der Handel mit allem verboten zu sein”, sagte sie.

“Nein, das stimmt nicht” mischte John sich ein. “Der Händler da hinten hatte doch eine Menge im Angebot.”

“Wenn du dich ein bisschen auskennen würdest, was du aber nicht tust, sagte Aeryn bissig, “würdest du bemerkt haben, das alles, was hier angeboten wird, steinalt ist.”

“Aeryn hat recht.” D’Argo sah John an. “Es gibt nichts zu kaufen, was nicht schon uralt ist.”

“Natürlich hat sie recht”, knurrte John. “Im Gegensatz zu euch, kenne ich so gut wie nichts, was hier verkauft wird, also lasst bitte dieses Getue und überlegt lieber, was wir jetzt tun können, um an Clorium zu kommen. Schafft Moya es, noch einen anderen Planeten anzufliegen?”

“Ich denke nicht” Aeryn schüttelte den Kopf. “Sie ist zu geschwächt und muss erst genesen – zumindest etwas – um weiter zu können.”

Aeryn dachte daran, wie sie in diesen ganzen Schlamassel geraten waren.

Drei Tage zuvor

Alles lief normal auf Moya, jeder ging seinen Aufgaben nach und tat mehr oder weniger nützliche Dinge.

So war Aeryn damit beschäftigt, ihren Prowler zu reparieren, der nach einem Ausflug durch Chiana und Rygel einigen Schaden genommen hatte. John half ihr dabei.

Zhaan meditierte auf der delvianischen Suche, D’Argo war im neuralen Cluster und machte zusammen mit drei oder vier DRD’s eine Inventur.

Chiana hatte nichts besseres zu tun, als ihn dabei zu nerven und Rygel war beim Essen – kurz, es war alles wie immer.

Nichts deutete darauf hin, das sich die Situation ändern sollte, denn sie waren weit in den Unerforschten Terretorien und hatten schon mehrere Solartage nichts mehr von Crais, Scorpius und dem Command Carrier gehört.

Um so überraschter waren alle, als Pilot plötzlich Alarm gab.

“Officer Sun” kam es durch die Comms.

“Ja, Pilot?”, fragte Aeryn, “was gibt es?”

“Ich denke, du solltest zu mir in die Kapsel kommen” antwortete Pilot. “Und beeil dich bitte!”

Aeryn sah zu Crichton, ließ aber sofort alles stehen und liegen und machte sich auf den Weg in die Pilotenkapsel. John war ihr dicht auf den Fersen.

Unterwegs trafen sie auf D’Argo und Chiana, die ebenfalls die Nachricht gehört hatten.

“Was ist los Pilot, gibt es ein Problem?” Aeryn stellte die Frage noch im laufen.

“Ich denke schon”, Pilot hörte sich irgendwie seltsam an und die Vier liefen noch schneller.

Als sie die Kapsel erreichten, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen.

Der ganze Raum war in einen grünen Nebel getaucht und sie konnten Pilot nur schemenhaft ausmachen.

“Pilot, was ist das?”

John stellte die Frage für alle stellvertretend und machte sich auf den Weg zu Pilot.

“Das weiß ich auch nicht so genau Commander, aber es beeinträchtigt Moya und mich.”

Pilots Stimme wurde immer leiser.

“Alle Funktionen fahren herunter und ich kann es nicht aufhalten” Pilot sah recht verzweifelt aus.

“Officer Sun, ich glaube nicht, das Moya und ich noch lange bei Bewusstsein sein werden. Du musst dann die Steuerung übernehmen.”

“Das werde ich tun Pilot, mach dir keine Sorgen.”

Aeryn strich ihm sanft über das Gesicht. “Kannst du uns sagen, wo der Nebel herkommt?”

“Nein, kann ich nicht. Ich habe einige Funktionen überprüft und D’Argo Anweisungen für die Inventur am Cluster gegeben. Und plötzlich war der Nebel da und meine Funktionen werden immer schwächer. Es ist als würde ich sehr müde.”

Pilot wurde tatsächlich noch leiser und konnte kaum noch die Augen aufhalten.

“Aeryn, du … musst… das … Schiff… steu…” Pilot versuchte noch etwas zu sagen, aber er wurde bewusstlos, bevor er den Satz beenden konnte.

Auch Moya schaltete alle Funktionen ab und das Schiff trieb nur noch.

“Uns muss schnellstens etwas einfallen” Aeryn war hinter das Pult getreten und versuchte einige Funktionen wieder anzuwerfen.

“Wir haben nur ein paar Arn Zeit, bevor uns die Luft ausgeht. Moya hat nur noch eigene lebenserhaltende Funktionen und Sauerstoff für uns gehört nicht dazu.”

Sie sah zu John und dieser erkannte die Sorge in ihren Augen.

“Dazu müssen wir erst einmal herausfinden, was für ein Nebel das ist und wieso er nur Pilot und Moya beeinflusst, aber nicht uns.”

* * *

“Wir müssen den Grund für diesen Nebel finden, zum Frell!” Aeryn sah ziemlich wütend aus, fand Crichton.

“Immer ruhig Aeryn, das werden wir.” Er versuchte, sie etwas zu beruhigen, aber John merkte, das ihr die Sache mit Pilot und Moya sehr nahe ging. Wie ihnen allen.

Mittlerweile waren sie alle – auch Rygel hatte sich auf Grund der Ereignisse dazu herabgelassen, den anderen zu helfen – in Pilots Kapsel zusammen gekommen. Allerdings hatte dieser aufgrund des Nebels einige Mühe, die anderen auszumachen. So fuhr er mir seinem Gleitstuhl fast Chiana um, was ihm einen Schups von ihr einbrachte, der ihn fluchend gegen Pilots Pult krachen ließ.

“Überlegen wir mal”, führte John aus. “Wir sind in den letzten zwei Tagen an keinem Planeten, Schiff oder sonst einer Anomalität irgendeiner Art vorbeigekommen, der wir diesen Nebel eventuell zuschreiben könnten.”

“Wenn also dieser Nebel nicht von außerhalb kommen kann, muss er durch etwas oder jemanden innerhalb Moya’s verursacht worden sein.”

“Willst du damit sagen, das einer von uns dafür verantwortlich ist?” Zhaan sah ihn entsetzt an.

“Nein, aber ich will damit sagen, das die Ursache im Schiff zu finden ist.” Crichton sah die anderen der Reihe nach an. “Wir müssen jetzt bloß noch wissen, wo wir suchen sollen.”

“Wenn es hier zu finden ist, hat es sicher etwas mit den Peacekeepern zu tun.” D’Argo sah wütend zu Aeryn. “Kannst du uns also etwas über den Nebel erzählen, Officer Sun?”

“Nein, kann ich nicht, wenn es Peacekeeper – Technologie ist, kenne ich sie nicht. Ich war aber auch nur Pilotin und war in Geheimprojekte nicht eingeweiht.” Aeryn sah nicht weniger wütend zu D’Argo zurück. “Und ich würde auch nichts verheimlichen, wenn ich etwas wüsste, so gut solltet ihr mich inzwischen kennen.”

“Schon gut Aeryn”, John hob beruhigend die Hand. “Wir wissen, das du helfen willst. Aber vielleicht hat D’Argo doch recht und es ist von den Peacekeepern. Es gab ja auch diesen Signalgeber, von dem mein Auge immer so gezuckt hat.”

“Ja, und wenn es von den Peacekeepern ist, müssen wir alle Ebenen schnellstens durchsuchen, wer weiß, wie das Gas noch wirkt.” Zhaan fing an, alle in Gruppen aufzuteilen.

“Rygel, du wirst mit D’Argo die unteren Ebenen bis Deck 21 durchsuchen, du kannst dort unten am besten in alle Ecken kriechen.”

“Ich bin ein Dominar, ich werde auf keinen Fall kriechen!”

“Klappe Rygel!” sagten John und Aeryn unisono.

So ging D’Argo mit Rygel nach unten, Zhaan machte sich zusammen mit Chiana auf den Weg, alle Quartiere zu durchsuchen und Crichton macht sich auf den Weg in die Kommandozentrale, während Aeryn versuchte, die Klimaanlage in Gang zu bringen um den Nebel aufzulösen.

* * *

Nach einem Arn hatten alle ihre Suche auf den Decks erfolglos beendet.

John hatte auf der Brücke auch keinen Weg gefunden, Moya’s Funktionen manuell zu steuern und Aeryn war nicht minder erfolglos bei Pilot zu Gange.

John war wieder bei Aeryn und fragte über die Comms nach den Fortschritten.

“Zhaan hatte irgendeine Idee und ist in ihr Labor verschwunden und hat mich hier einfach stehen lassen” nörgelte Chiana.

“Was für eine Idee?” Crichton musste lächeln, Chiana war einfach noch ein Kind und leicht beleidigt.

“Das hat sie nicht gesagt” kam die Antwort. “Ich werde hier aber nicht alleine weiter rumsuchen.”

“Schon gut, komm zu uns.”

“Aeryn können wir etwas machen um die Sauerstoffzufuhr wieder in Gang zu kriegen?” Er drehte sich zu Aeryn um, die immer noch Befehlskombinationen eingab.

“Ich versuche gerade, Moya’s Systeme zu überlisten, ich hoffe es wird klappen. Wenn nicht, müssen wir in spätestens 8 Arn das Schiff verlassen.” Traurig sah sie John an.

“Du wirst es schaffen und wir werden einen Weg finden, diesen verfrellten Nebel aufzulösen.”

Crichton war einmal mehr fasziniert, wie Aeryn sich verändert hatte.

In der Zeit, die er sie jetzt kannte, hatte sie sich von der harten Peacekeeperin in eine mitfühlende Person verwandelt, die sich Sorgen um andere machte. Zu Pilot hatte sie ein besonderes Verhältnis entwickelt, welches in Situationen wie dieser noch gefestigt wurde.

“Zhaan, was machst du?” John war neugierig, welche Idee Zhaan in ihr Labor getrieben hatte.

“Ruf alle in der Kommandozentrale zusammen John, ich glaube ich weiß, was den Nebel verursacht hat.” Zhaan klang recht angespannt.

“In Ordnung, wir sind gleich da.”

“Ich kann hier nicht weg John”, Aeryn sah kurz auf “geh alleine, ich mach hier weiter und komme dann nach.”

“Okay. D’Argo, Rygel, Chiana, kommt bitte alle auf die Kommandobrücke – Zhaan hat Neuigkeiten.”

“Wir sind gleich da – wenn ich Rygel aus diesem Luk hier befreit habe”, erklang die gedämpfte Antwort von D’Argo, der auf einem der unteren Decks damit beschäftigt war, Rygels Hinterteil aus einer Öffnung zu befreien, die definitiv zu klein für ihn war.

Einige Microts später trafen alle bis auf Aeryn auf der Brücke ein.

Rygel rieb sich sein Hinterteil und stieß hynerianische Flüche betreffs der Tätigkeiten eines Dominars aus, was ihm wütende Blicke und einen neuerlichen Klaps von Chiana einbrachte.

Nachdem alle kurz von John darüber unterrichtet worden waren, das Zhaan den Grund des Nebels herausgefunden hatte, waren sie gespannt, diesen zu erfahren.

Zhaan allerdings saß grübelnd am Tisch und machte keinerlei Anstalten, den Anderen zu erzählen, was sie herausgefunden hatte.

“Zhaan, nun mach schon, spann uns nicht auf die Folter.” Chiana konnte ihre Ungeduld am wenigsten zähmen. “Was ist es und was können wir dagegen tun? Müssen wir weg von Moya? Wenn ja, sollten wir nicht zu lange warten, ich habe keine Lust, hier zu sterben.”

“Ich stimme ihr zu”, Rygel nickte beifällig, “auch ich möchte lieber in einem Transportpod sitzen, wenn uns hier die Luft ausgeht.”

“Uns wird die Luft nicht ausgehen und halt gefälligst deine Klappe Rygel, wenn du nicht möchtest, das ich dich eigenhändig durch ein Schott nach draußen befördere.” Aeryn hatte den Raum betreten und Rygel’s letzte Worte gehört.

“Naja, ich mein ja nur, wir sollten alle Möglichkeiten im Auge behalten.” Rygel verstummte nach einem weiteren Blick von Officer Sun.

“Aeryn, hast du es geschafft?” John war froh, sie hier zu sehen. Auch Zhaan sah jetzt auf.

“Ja, ich konnte eine Überbrückungssequenz starten, die die Sauerstoffzufuhr weiterhin gewährleistet.” Aeryn sah trotzdem nicht sehr froh aus.

“Aber?” Crichton wusste, so wie Aeryn aussah, gab es einen Haken.

“Aber diese Überbrückung gibt uns nur eine längere Frist, sie ist nicht von Dauer. Es tut mir leid, mehr konnte ich nicht rausholen.” Betrübt sah sie John an.

“Hey, das ist okay. Du warst großartig. Wie lange haben wir?” John lächelte sie an.

“20 Arn.”

“Das müsste reichen.” Zhaan mischte sich in das Gespräch.

“Reichen, wofür Zhaan?” D’Argo trat einen Schritt vor. “Wirst du uns jetzt endlich sagen, was Schuld an diesem Nebel ist und was wir dagegen unternehmen können?”

“Ich weiß, was es ist, aber ich weiß nicht, was dagegen zu tun ist – noch nicht, aber dank Aeryn haben wir jetzt genug Zeit um eine Lösung zu finden, denke ich.”

“Also los, sag schon, wer ist Schuld an dem Nebel?” Chiana stellte nochmals die Frage, die allen auf der Seele brannte.

Zhaan sah alle der Reihe nach an, holte tief Luft und gab die Antwort.

“Moya.”

Commerce Planet

“Es muss doch eine Möglichkeit geben, um das zu bekommen, was wir haben wollen.” Crichton sah von Aeryn zu D’Argo.

“Natürlich gibt es die”, Aeryn sah sich um. “Ich habe dort hinter dem Haus vorhin eine Gestalt gesehen, die uns beobachtet.”

“Ja, na klar – überall, wo ständig die Rede von Verboten ist, gibt es Leute, die das haben was man will. Wenn man genug Zahlungsmittel besitzt natürlich.” John lächelte. “Und du meinst, dieser Typ hat was wir wollen?”

D’Argo legte die Hand an seinen Qualta Säbel. “Wir werden ihn fragen, und er wird es uns geben, wenn er es hat – ich habe gute Argumente für ihn.” Er zog den Säbel ein Stück, bevor er ihn mit grimmigem Blick zurücksteckte.

“Vielleicht sollten wir erst einmal mit ihm reden, es besteht ja die Möglichkeit, das er uns auch ohne Gewalt helfen kann. Immerhin haben wir doch neulich ein gutes Geschäft gemacht, als wir auf Rygels Vorschlag hörten und Aeryn und ihr Prowler ein paar gut bezahlte Transporte tätigten.”

“Ja, vielleicht. Wir werden es gleich wissen.” D’Argo sah sich um, und auch Crichton merkte jetzt, das Aeryn nicht mehr bei ihnen stand.

Sie war zur Ecke gegangen und verhandelte mit einem düster aussehenden Typen. Dabei sah sie ziemlich angespannt aus, fand er.

Aber plötzlich nickte sie und gab dem Fremden die Hand.

Als sie zu D’Argo und John zurückkehrte, sahen beide sie erwartungsvoll an.

“Es klappt”, sagte sie mit einem angedeuteten Lächeln. “Heute bei Dämmerung treffen wir uns mit ihm am Rand des Moores, das wir bei der Landung gesehen haben und kriegen 2 Gallan Clorium. Das müsste reichen um Moya auf die Sprünge zu helfen, danach kann sie sich aus eigener Kraft wieder regenerieren.”

“Lasst uns zum Tarnsportpod zurückkehren um den Anderen die gute Nachricht zu überbringen.” Crichton sah seine zwei Freunde an. “Sie werden schon sehnsüchtig warten.”

Zwei Tage zuvor

“MOYA?!?!”

Entsetzt sahen alle zu Zhaan.

“Bist du dir sicher?” John fand als erster zu seiner gewohnten Ruhe zurück und stellte die Frage für alle.

“Ja, Moya ist von einer Art Pilz befallen, der sie geschwächt hat, allerdings schleichend, ansonsten kann ich mir nicht erklären, wieso Pilot nichts bemerkt hat. Der Befall war jetzt so stark, das Moya ihn nicht mehr kompensieren konnte und es kam zum Komplettausfall und somit zur Abschaltung aller Systeme und auch Pilot’s.”

“Aber man sieht doch gar nichts von einem Pilzbefall.” Aeryn sah fragend zu Zhaan.

“Nein. Das ist richtig. Aber ich habe mir die Wände genauer angesehen, als ich es wusste. Es hat sich so eine Art Film gebildet über fast allen Wänden auf Moya. Seht her”, Zhaan ging zur Wand und fuhr mit den Fingern darüber. Als sie den Anderen die Hand hinhielt, sahen sie – nichts.

“Was soll das Zhaan”, Rygel sah sie an. “Da ist nichts.”

“Sieh genauer hin.” Zhaan hielt die Hand direkt vor Rygel’s Augen.

Und jetzt sah er es auch, ein durchsichtiger Film überzog Zhaan’s Hand.

Die Anderen sahen jetzt auch genauer hin und gingen zu den Wänden um sich selbst zu überzeugen.

“Zhaan, du bist genial.” Crichton sah sie beeindruckt an.

“Jetzt müssen wir nur noch eine Weg finden, diesen Schleim zu beseitigen”, sagte Aeryn.

Zhaan sah sie an. “Das habe ich schon.”

Commerce Planet

“Da ist er.” Aeryn sah eine Gestalt über die Wiese auf den Rand des Moores auf sie zukommen.

Langsam ging sie in die Richtung der ankommenden Person.

D’Argo und John hielten sich im Hintergrund.

Sie wussten, Aeryn die Verhandlungen führen zu lassen, war besser, als jetzt mit Getöse aufzutreten und den Händler mit ihrer dringend benötigten Ware zu verscheuchen.

Sie sahen Aeryn angeregt diskutieren.

Dann erfolgte die Geldübergabe und der Händler verschwand wieder über die Wiese.

John rief Aeryn eine Frage zu, doch diese winkte nur ab, also schwieg er.

Der Händler kam zurück, er hatte einen Karren dabei, auf dem sich die gewünschte Menge Clorium befand.

Endlich!!

Sie hatten endlich das Clorium, nun würde es Moya möglich sein, zu genesen.

John merkte, das er vor lauter Anspannung die Luft angehalten hatte und atmete langsam aus.

Zufrieden machten sich die Drei sich auf den Weg zurück zum Transportpod.

Da erklangen aus dem Hintergrund Rufe und Schüsse.

D’Argo und Aeryn warfen sich instinktiv in Deckung, während Crichton sich verunsichert umsah.

“Crichton, runter!” Aeryn brüllte in seine Richtung, während sie schon mit ihrer Pulse Pistole auf die Angreifer zielte.

Auch D’Argo hatte seinen Qualta Säbel im Anschlag und feuerte was die Waffe hergab.

John, der mittlerweile auch hinter einem Baum in Deckung gegangen war, war noch nicht sicher, was das alles jetzt sollte.

Aeryn lieferte mit einem Fluch die Antwort. “Dieser verfrellte Mistkerl! Ich wette, das Militär hat ihm ein hübsches Sümmchen versprochen, damit er uns in diesen Hinterhalt führt.”

Sie sah ziemlich sauer aus.

Als über ihren Köpfen Schüsse in das Holz der Bäume einschlugen, befand er, das sie allen Grund dazu hatte und hoffte für den Händler, das er nicht mehr in den Genuss kommen musste, Aeryn je wieder zu treffen, denn dann hätte er bestimmt nichts zu lachen.

Es gab auf diesem Planeten zwar nur einige, wenige Handelsposten – von denen sie zwei Drittel während ihres Aufenthaltes aufgesucht hatten – und eine relativ geringe Bevölkerungsdichte, aber trotz alledem war die militärische Präsenz außergewöhnlich hoch.

Und diese war jetzt eindeutig hinter ihnen her.

2 Tage zuvor

“Was müssen wir tun Zhaan?” Aeryn stellte die für ihr weiteres Leben so wichtige Frage.

“Ich habe Tests durchgeführt”, sagte Zhaan.

“Es ist ein Bakterienbefall, der auch den Nebel verursacht. Die Bakterien reagieren auf Lyumgas. Damit können wir sie abtöten.”

“Aber….” D’Argo machte eine viel sagende Pause und alle blickten erst ihn an und dann Zhaan.

“Was aber?” John sah fragend in die Runde.

Jetzt wandten sich alle Blicke ihm zu, denn jeder in diesem Raum wusste, wie Lyumgas wirkte – jeder bis auf Crichton.

“Was aber?” John wiederholte die Frage.

Rygel gab ihm die Antwort.

“Lyumgas ist eine natürliche Absonderung Moya’s – da sie halborganisch ist, hat sie auch natürliche Körperfunktionen.”

(Keine Ahnung, ob so etwas möglich ist, nennen wir es künstlerische Freiheit ;))

“Und dieses Gas bewirkt was?”

“In geringen Mengen ist es harmlos” antwortete Aeryn.

“Aber wenn es hochkonzentriert und über einen längeren Zeitraum aufgenommen wird, wirkt es tödlich.”

“Aber es tötet die Bakterien”, warf Zhaan nochmals ein.

“Was nützt das, wenn wir tot sind?” Rygel dachte nicht daran, so sehr er Moya auch mochte – was er natürlich nicht zugeben würde – sein Leben für sie zu opfern. Schließlich war er ein Dominar.

“Wir müssen einen Weg finden, das Gas einzusetzen, ohne selbst in Gefahr zu sein. So einfach ist das Rygel.” Aeryn sah wütend auf den Hynerianer, der selbstgefällig auf seinem Gleitthron saß.

“Einfach!! Einfach!?” Rygel’s Stimme überschlug sich.

“Wie stellst du dir einfach vor? Ihr Peacekeeper habt doch keine Ahnung, wenn es nicht um rohe Gewalt geht!” Noch während er das sagte, bewegte Rygel sich sicherheitshalber aus der Reichweite der Ex-Peacekeeperin – man konnte ja nie wissen.

“Ich jedenfalls werde nicht abwarten, dass das Gas mich umbringt, sondern mich in einen Transporter begeben und von hier verschwinden. Ihr könnt ja hierbleiben und sterben, wenn ihr es darauf anlegt.”

“Halt die Klappe Rygel.” John sah zwischen Aeryn und Bugweat hin und her und fand, das es für den Hynerianer im Moment eindeutig nicht gut aussah.

Aeryn würde sich die herablassende Art des Dominars nicht mehr lange bieten lassen, da war er sicher.

“Aber so schlecht, wie er sagt, ist die Idee gar nicht.” Crichton sah in die Runde.

“Wie meinst du das?” D’Argo sah ihn fragend an.

John grinste selbstgefällig.

“Oh nein”, Aeryn sah ihn an. “Der Mensch hat einen Plan.”

“Genau, ich habe einen Plan. Wir müssen die Abgase umleiten, so das sie sich in Moya ausbreiten können. Dazu müssen wir alle Schotts und Luken verschließen. Ähnlich wie in einer Sauna.”

“Was?” D’Argo sah ihn kopfschüttelnd an.

“Vergiss den letzten Satz, aber der Ansatz ist gut”, sagte John.

“Können wir das machen? Aeryn? Kann man das Gas umleiten und Moya sozusagen damit fluten?”

“Ja. Ich denke das geht. Lass mich ein paar Berechnungen anstellen.” Aeryn ging zum Kontrollpult und fing an, Befehle einzugeben.

“Ich will euch ja den Plan nicht vermiesen”, ließ sich nun auch Chiana, die dem Ganzen bisher ungewöhnlich still gelauscht hatte vernehmen. “Aber ich muss Rygel recht geben. Wie er schon sagte, wie wollt ihr diesen Plan durchführen, ohne uns alle umzubringen? Wir haben nicht genug Raumanzüge, die wir benutzen können, einigen von uns würden sie auch nicht passen”, sagte sie mit einem Seitenblick auf Rygel.

“Wir können in keinen separaten Raum gehen, da alle Bereiche Moya’s befallen sind. Und, selbst wenn du dafür eine Lösung parat hast John, und uns vor dem Gas schützen kannst, was ist mit Pilot?”

Zhaan sah auf. “Du hast recht, das ist ein Problem, über das ich bis jetzt noch nicht nachgedacht habe.”

“Nicht alle Bereiche sind befallen” sagte John.

“Ich denke, dass die Bakterien noch nicht in die Transport Potts eingedrungen sind, da sie nicht direkt mit Moya’s Hülle verbunden sind. Das ist also unser Fluchtweg.”

“Ja, okay, das ist eine Möglichkeit.” Chiana sah Crichton nun doch leicht beeindruckt an. Sie hätte hinter dieser Fassade nicht soviel Verstand vermutet. Aber trotzdem….

“Was, um es nochmal zu fragen, ist mit Pilot?”

Commerce Planet

“Wir müssen uns zum Transporter durchschlagen”, rief Crichton zwischen einigen Salven ihrer Angreifer.

“Du bist sehr weise Crichton.” Aeryn’s Stimme klang mehr als nur etwas ironisch.

Sie zielte auf den vordersten Angreifer und schoss ihn mit der Präzision der Ex-Peacekeeperin nieder.

“Na los, lasst uns verschwinden.” Sie drehte sich zu John um und trieb ihn an.

“Schnapp dir den Karren und los”, rief sie und feuerte wieder.

D’Argo, der in der Zwischenzeit auch einige der Angreifer niedergemacht hatte, bildete die Nachhut.

Während er und Aeryn damit beschäftigt waren, das Militär dieses wenig gastfreundlichen Planeten im Schach zu halten, war John schon voraus und schaffte bereits das erworbene Clorium an Bord des Transporters.

Jetzt waren auch Aeryn und D’Argo angekommen, doch die Verfolger waren ihnen dicht auf den Fersen und eindeutig in der Überzahl.

Auch wenn die zwei Krieger es geschafft hatten, den Gegner bereits deutlich zu dezimieren, es würde ein schwieriges Unterfangen werden, den Transporter zu starten, denn jetzt sah man das schwere Geschütz, welches das Militär gerade direkt auf den Transportpod ausrichtete.

2 Tage zuvor

“Aeryn? In welchem Zustand befindet sich Pilot im Moment?” Crichton sah fragend zu Aeryn.

“Seine Lebensfunktionen werden immer schwächer”, lautete die kurze, aber präzise Antwort Aeryn’s nach einem erneuten Blick auf die Konsolen.

Crichton hatte sich an den Konferenztisch gesetzt und starrte grübelnd ins Leere.

Alle Blicke ruhten auf ihm.

Ob sie es zugeben wollten oder nicht – und die meisten würden es nicht – sie warteten auf seine Entscheidung.

Nach fast einem Jahr in den Unerforschten Terretorien hatte er es geschafft, sich Respekt zu verschaffen.

Nach einigen Extremsituationen, die sich in dem vergangenen Jahr ereignet hatten, war allen klar geworden, das Crichton’s Pläne – wenn auch in der Ausführung meist etwas fehlerhaft – oftmals der einzige Ausweg waren.

Er war es, der Aeryn geholfen hatte, als NamTar sie mit Pilot’s DNS infiziert hatte, er hatte Zhaan geholfen, ihre dunklen Impulse zu besiegen, er hatte als Einziger Vertrauen in Chiana und gab ihr somit die Möglichkeit, auf Moya zu bleiben. Er hatte D’Argo über Matala die Augen geöffnet und er hatte Rygel aus den Fängen von Kidnappern gerettet.

Es war vieles passiert und es hatte sich herausgestellt, das der Mensch Crichton eine Bereicherung für die Crew war und sie ihn brauchten.

John sah auf.

“Okay, wir müssen uns entscheiden” er blickte Zhaan an.

“Würde das Gas ihm mehr zusetzen, als die Bakterien, wenn wir noch länger warten?” fragte John.

“Ich denke nicht”, sagte sie.

“Ich glaube es auch nicht”, lautete Aeryn’s Einschätzung.

“Wie lange müsste das Gas wirken?” war seine nächste Frage.

Zhaan überlegte kurz. “Ich denke, wenn wir Moya geflutet haben, kann das Gas nach einem viertel Arn wieder abgelassen werden. Das müsste reichen, um das Virus abzutöten.”

“Aeryn, wie lange reicht der Sauerstoff in den Raumanzügen?” John hakte einen Punkt nach dem anderen auf seiner mentalen Liste ab.

“Einen Arn. Aber wir könnten sie, wenn es nötig ist auffüllen.”

“Ich glaube, das wird gar nicht nötig sein” John lächelte sie an.

“Die Zeit wird reichen.”

Kurze Zeit später waren alle mit der Ausführung der Details beschäftigt.

D’Argo und Zhaan kontrollierten alle kleinen Aussenschotts, damit auch wirklich alles geschlossen war und öffneten alle Türen in Moya, da das über den Kontrollpult nicht mehr möglich war.

Aeryn war bei Pilot und bereitet alles zum Schließen der großen Lüftungsschotts vor, damit später alles sehr schnell ging und Crichton bereitete die Raumanzüge vor.

Chiana und Rygel waren im Hangar und machten einen Transportpod startklar.

Nach einem halben Arn standen alle im Hangar.

John sah alle an und rekapitulierte die Situation.

“Ich hoffe, wir haben alles bedacht. Ihr vier werdet Moya verlassen und in geringer Reichweite bleiben, damit ihr uns im Notfall hier abholen könnt. Aeryn und ich werden die Flutung einleiten und dann bei Pilot in der Kanzel bleiben, um eventuell vorher abzubrechen, wenn wir Probleme feststellen. Nach einem viertel Arn öffnet Aeryn die großen Lüftungsschotts übers Pult und ich die Kleineren manuell. Wenn ihr seht, dass sich die Gaswolke um Moya weitestgehend aufgelöst hat, kommt ihr zurück.”

“Soll ich nicht doch bleiben, falls ihr Hilfe benötigt?” Zhaan sah John und Aeryn an.

“Nein Zhaan” diesmal sprach Aeryn. “Wir schaffen das schon und du hast uns ja die Öffnungspunkte zum Einlassen des Gases schon gezeigt. Je weniger hier sind, desto besser. Du musst dich um die Anderen kümmern, wenn etwas schief geht.”

Aeryn merkte, das sie ihre harte Schale kurz gesenkt hatte, wurde rot und fand sofort zu ihrer unterkühlten Art zurück.

“Ich geh in die Kapsel zu Pilot und beginne mit dem Schließen der Lüftungsschotts, ihr solltet also besser verschwinden. Crichton beeil dich mit dem Hangar und komm dann nach.” Sie drehte sich abrupt um und verließ den Hangar.

Die anderen waren allesamt etwas verblüfft über diesen Stimmungswechsel, nur Zhaan lächelte leicht.

“Ich werde mich um sie kümmern, wenn es soweit kommen sollte, aber ich vertraue auf Crichton und dich”, sagte sie leise zu der davonmarschierenden Aeryn, die sie natürlich nicht hören konnte.

Chiana hatte es aber gehört und musste nun auch lächeln.

“Ich auch Zhaan, aber nun komm, wir müssen los. Aeryn hält immer ihr Wort, wird also gleich mit dem Schließen beginnen und dann sollten wir weg sein.”

Rygel hatte Chiana’s letzten Satz gehört und kam auf die beiden zu. “Finde ich auch, schnell weg hier, bevor es zu spät ist.”

Er rauschte an ihnen vorbei und begab sich in den Transportpod.

D’Argo stand Crichton gegenüber. “Soll ich vielleicht…” begann er unsicher.

“Nein, D’Argo du musst auf die Mädchen aufpassen und Rygel davor bewahren, irgendwas im Transporter kaputt zu machen.”

Crichton lächelte D’Argo an.

“Das mache ich.” D’Argo steckte John die Hand entgegen. “Viel Glück.”

“Danke.”

“Crichton! Schick sie endlich los und schließe den Hangar.” Eine verärgerte Aeryn war über die Comms zu vernehmen.

D’Argo grinste jetzt. “Du brauchst es wirklich.”

Er drehte sich um, und folgte den anderen in den Transportpod.

* * *

John machte sich sofort an die Arbeit, er verschloss den Hangar, rannte zu Aeryn und schlüpfte ebenfalls in einen Raumanzug.

Dann machten sich beide daran und öffneten die Ventile zum Einlassen des Gases, die Zhaan ihnen gezeigt hatte.

Ein leises Zischen verriet ihnen, dass das Gas in Moya einströmte.

Nachdem sie fertig waren, trafen sie sich bei Pilot in der Kapsel wieder.

Aeryn ging gleich um das Pult herum und legte Pilot eine Hand in den Nacken. Sie fühlte seinen Puls. Schwach, aber regelmäßig.

Sie hob den Blick, sah Crichton an und nickte.

Dieser lächelte sie an, aber sie wandte den Blick gleich wieder ab.

Sie war noch irritiert über ihre Reaktion vorhin vor all den Anderen und ein Lächeln von John machte es nicht besser – im Gegenteil.

“Aeryn…” John wollte etwas sagen, aber wurde unterbrochen.

“Nein, Crichton. Ich will nicht reden, nicht hier, nicht jetzt und schon gar nicht mit dir”, fauchte Aeryn.

“Lass uns einfach unsere Arbeit machen – okay?” sagte sie etwas sanfter, um es gleich noch mal härter zu wiederholen, als sie sah, das Crichton schon wieder ansetzte um etwas zu sagen. “OKAY?”

John schluckte seine Bemerkung herunter und nickte.

Schweigend saßen beide in der Nähe von Pilot und hingen ihren Gedanken nach

In dieser Stimmung war nicht gut Kirschen essen mit Aeryn, das wusste John.

Er würde halt ein anderes Mal mit ihr reden, beschloss er. Ganz bestimmt.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.

‘Dieser Mensch und seine Rederei.’ Aeryn seufzte.

Sie wusste, früher oder später würde er sie zwingen, mit ihm zu sprechen.

Wenn es nach ihr ging, war der Zeitpunkt eindeutig später.

* * *

Einen viertel Arn später machten sich Aeryn und John, die die ganze Zeit über schweigend ihren Gedanken nachgehangen hatten, wieder an die Arbeit.

Hand in Hand öffneten sie wieder alle Schotts und entließen die Reste des Gases ins All.

Dann ging Aeryn sofort zurück zu Pilot, um seinen und Moya’s Gesundheitszustand zu überprüfen.

Insgeheim wünschte sie sich Zhaan so schnell wie möglich zurück, immerhin wusste diese über Heilungen wesentlich besser Bescheid, als ein Ex – Peacekeeperin mit etwas Piloten DNA in sich.

John stand im Hangar und erwartete die Anderen zurück.

Nach einer Weile empfing er Aeryn über die Comms.

“Ich habe D’Argo informiert. Sie werden in wenigen Microts andocken.”

“Okay Aeryn. Und – danke.” John sah sie vor sich, wie sie die Stirn runzelte und sich wunderte, wieso er sich bei ihr bedankte.

“Nicht für diese Information Aeryn, sondern für dein selbstloses Handeln in den letzten beiden Tagen”, kam er ihr zuvor, bevor sie antworten konnte.

“Ehm, ja… schon gut, jeder andere hätte das auch getan.” Aeryn klang beschämt.

“Nein, hätte er nicht.” John konnte sich einfach nicht beherrschen, er liebte es, Aeryn ein wenig zu reizen und so aus der Reserve zu locken.

“Crichton, fang nicht schon wieder an, ich hab dir doch gesagt, ich will nicht reden! Konzentrier dich auf die wichtigen Dinge. Der Transportpod dockt gleich an.”

Damit schaltete Aeryn kurzerhand ihre Comms ab.

‘Das ist für mich wichtig, Miss Sun. Das solltest du langsam wissen. Aber ich denke, das tust du auch, und das ist ein Problem für dich.’ John schob diese Gedanken erst einmal beiseite und drehte sich den offenen Hangarschotts zu, hinter denen gerade der Transporter zur Landung ansetzte.

1 Tag zuvor

“Wir haben es doch geschafft.” Chiana sah die Anderen an. “Wo also liegt das Problem?”

Wieder einmal hatten sich alle in der Kommandozentrale versammelt.

Ein Tag war seit ihrer Rettungsaktion vergangen.

Chiana hatte recht, sie hatten es geschafft.

Die Bakterien waren bekämpft, Moya von den Parasiten befreit und dieser seltsame Nebel war im Endergebnis auch verschwunden.

Leider aber hatte Chiana nicht in allem Recht.

Es gab immer noch ein Problem.

“Leider ist es Moya und Pilot nicht möglich, von selbst zu genesen.” Zhaan sah traurig zu Chiana.

“Pilot ist zwar wieder wach, aber immer noch sehr geschwächt. Er kann kaum die lebenserhaltenden Maßnahmen für uns aufrecht erhalten. Wenn Aeryn ihm nicht helfen würde, hätten wir schon keine Luft mehr zum Atmen.”

Lächelnd sah Zhaan zu Aeryn hinüber, die das Kompliment mit leichtem Erröten entgegen nahm.

“Aber wir brauchen dringend ein Mittel, mit dem wir Moya helfen können.” Schnell versuchte Aeryn wieder zur gewohnten Kühle zurückzukommen und von der eigenen Person abzulenken.

“Was ist mit diesem Zeug, das wir damals auf diesem erdähnlichen Planeten geholt haben? Cluriom?” fragte Crichton.

“Es heißt Clorium John.” Aeryn sah kopfschüttelnd zu ihm hinüber.

Crichton schnitt eine Grimasse in ihre Richtung, sah dann aber zu Zhaan.

“Das könnte ihr wirklich helfen”, meinte diese gerade.

“Wenn wir das Clorium an den Stellen verteilen, wo die Bakterien am Stärksten gewütet haben, also in Pilot’s Kapsel und im neuralen Cluster, müsste Moya dadurch in der Lage sein, wieder gesund zu werden. Zumindest ist damit der Anfang geschaffen, und wenn es Moya wieder besser geht, wird auch Pilot genesen.”

“Tja, wenn das keine guten Neuigkeiten sind.” D’Argo sah zufrieden in die Runde.

“Ich möchte dir ja nicht all deinen Optimismus rauben, oh großer Krieger.” Rygel’s Stimme triefte vor Sarkasmus. “Aber selbst deinem kleinen Kämpferhirn müsste doch aufgefallen sein, das wir kein Clorium besitzen.”

“Wenn du damals nicht die Hälfte des Cloriums aufgegessen hättest, anstatt es nur zu verteilen, wie du solltest, wäre möglicherweise sogar noch etwas übrig”, schnaubte D’Argo wütend zurück.

“Ruhig, ruhig, ihr beiden”, John wollte die Situation entspannen.

“Ich denke nicht, das die Menge an Clurium….”

“Clorium!” Aeryn kam die Verbesserung automatisch über die Lippen.

“Okay, Clorium. Die Menge an CLORIUM”, sagte er mit einem Seitenblick zu Aeryn, “hätte doch gewiss nicht ausgereicht, oder Zhaan? Ich meine, die Bereiche die wir jetzt abdecken müssen, sind doch etwas größer.”

“Ja, das stimmt. Wir brauchen wesentlich mehr.” Zhaan blickte grübelnd ins Leere.

“Ich sag’s ja, wir sind wieder am Anfang”, ließ sich Rygel wieder vernehmen.

“Lasst uns von Bord gehen, ist immer noch meine Meinung.”

Triumphierend sah er in die Runde, nur um gleich darauf, nachdem er von allen wütend angesehen wurde, kleinlaut zu sagen: “Okay, ihr hört ja nie auf das was ich sage, warum also jetzt? Was also tun wir statt dessen?”

“Wir müssen welches beschaffen”, meinte D’Argo.

“Ich denke, soweit waren wir schon, D’Argo. Sicher müssen wir das. Nur wie?” Aeryn sah unbewusst zu Crichton, sie erwartete instinktiv eine Idee von ihm.

“Kannst du einen Langstreckenscan durchführen?” fragend sah John Aeryn an.

“Wenn mir Pilot ein bisschen dabei hilft, sicher”, kam die prompte Antwort.

“Wonach suchen wir?” Chiana sah die beiden erwartungsvoll an. Und auch die Blicke von Zhaan, D’Argo und Rygel ruhten auf den beiden.

Auch Aeryn schaute John fragend an.

“Ganz einfach. Wir suchen einen bewohnten, von mir aus auch einen unbewohnten Planeten und versuchen dann dort an Clorium zu kommen.” Er betonte das Wort Clorium wieder extra und warf grinsend einen Seitenblick zu Aeryn.

Diese verdrehte nur die Augen, musste aber insgeheim auch lächeln, ließ sich aber nichts anmerken.

“Ich hoffe, die Sache wird sich auch so einfach gestalten”, sagte sie statt dessen.

“Denn immerhin ist Clorium nicht einfach zu bekommen.”

“Wir müssen es einfach versuchen, eine andere Wahl bleibt uns nicht”, sagte D’Argo.

“Es sei denn, wir schließen uns der Meinung Rygel’s an”, meinte Chiana, “und verlassen Moya und Pilot.”

Diesmal war sie es, die entsetzte und wütende Blicke erntete.

“Was wir natürlich nicht tun werden. Ihr solltet mich ausreden lassen”, fügte sie mit einem Grinsen noch hinzu.

“Ich gehe zu Pilot und sehe, was ich machen kann.” Aeryn beendete kurzerhand die Diskussion, stand vom Tisch auf und ging Richtung Pilotenkapsel.

“Na, dann hoffen wir, sie hat Erfolg, Moya kann dringend etwas Unterstützung gebrauchen.” Zhaan erhob sich ebenfalls.

“Ich gehe in mein Labor und werde mir ihre Werte noch mal ansehen.”

Damit wandte auch sie sich zum Gehen.

Der Rest der Gruppe löste sich auch auf.

D’Argo und Chiana verließen zusammen die Kommandozentrale und stritten darüber, ob Chiana mit auf den Planeten, welcher noch gar nicht gefunden war, kommen würde.

Rygel murmelte etwas von Henkersmahlzeit und machte sich auf den Weg zur Kombüse.

Crichton saß alleine am Tisch und sah den Anderen lächelnd nach.

Er wollte keinen seiner Kameraden missen, auch nicht den ewig nörgelnden und egoistischen Rygel.

Es war nicht leicht, ihr Vertrauen zu gewinnen, aber es lohnte sich.

In extremen Situationen, wie gerade dieser, wuchs die kleine Gruppe immer mehr zusammen.

Und jeder wusste, das er sich auf die Anderen verlassen konnte.

Das gab Crichton ein Gefühl von Heimat – er hatte eine neue Familie gefunden und würde alles dafür tun, das es ihr gut ging.

Mit diesen Gedanken erhob er sich ebenfalls und machte sich auf den Weg zu Aeryn und Pilot in dessen Kanzel.

15 Arn zuvor

“Officer Sun?” Pilot’s Stimme klang durch die Comms.

“Ja Pilot, was gibt es?” Aeryn stand auf der Brücke und richtete sofort ihr volle Aufmerksamkeit auf Moya’s Steuermann.

“Ich glaube, ich habe gefunden, wonach wir suchen.” Die Stimme des Piloten klang immer noch sehr schwach, aber er gab sich alle Mühe, der Crew und somit auch Moya so gut wie möglich zu helfen.

“Sieh dir bitte diese Daten an, Officer Sun”, sagte er.

“Das mache ich. Zeig sie mir bitte hier auf dem Schirm”, kam die Antwort von Aeryn.

Kurz darauf rief sie alle über die Comms zusammen und erneut waren sie auf der Kommandobrücke vertreten.

“Pilot, gib bitte noch einmal die Daten auf den Schirm”, sagte Aeryn.

“Ja, einen Moment bitte.” Pilot gab mehrere Befehle ein und dann erschien vor den Versammelten ein Hologramm eines Sternensystems über dem Tisch.

“Wir haben einen Planeten gefunden, der den Anforderungen entspricht.” Aeryn fing an, das System vor ihnen zu erläutern.

“Dieser hier”, sagte sie und deutete inmitten all der Sterne auf einen einzelnen Punkt.

“Möglicherweise hat er, was wir benötigen. Leider kann man das erst genau sagen, wenn wir dort sind. Aber laut Bevölkerungsdichte könnte es ein Commerce Planet sein, was uns sehr entgegen käme.”

“Wieso sollten wir nicht zur Abwechslung auch einmal etwas Glück haben”, brummte D’Argo.

“Wie weit ist es bis zu dem Planeten?” fragte Zhaan, während sie weiterhin das Hologramm studierte.

“Wir müssten in ca. 15 Arn dort ankommen”, kam die Antwort von Aeryn.

“Hält Moya solange durch Pilot?” Crichton sah zu dem Piloten hinüber, der auf etwas zu horchen schien.

“Ja, sie sagt, sie wird es schaffen. Sie hat Schmerzen, denn die Bakterien haben vor allem im neuralen Cluster ziemlichen Schaden angerichtet, bei dem das Clorium wirklich helfen würde, aber sie hält durch. Und sie möchte euch danken, für all eure Hilfe.”

“Es ist uns ein Vergnügen Pilot. Wir werden dich doch nicht im Stich lassen und Moya selbstverständlich auch nicht.” Rygel, der bis jetzt geschwiegen hatte, ließ sich vernehmen und tat so, als hätte er die ganze Zeit über nichts anderes getan, als die Crew in ihren Bemühungen zu unterstützen.

“Vielen Dank Dominar, wir wissen es zu schätzen.” Pilot sah Rygel etwas skeptisch an, sagte aber nichts weiter dazu.

“Okay, dann auf zu diesem Planeten.” Chiana sah aufgeregt in die Runde. In Erwartung eines Besuches auf dem Planeten leuchteten ihre Augen.

“Denk gar nicht daran Chiana.” Aeryn schüttelte den Kopf.

“Du bringst nur Ärger und den können wir gar nicht gebrauchen. Du bleibst auf Moya.”

Chiana guckte beleidigt und wollte gerade etwas erwidern, als Rygel sich zu Wort meldete.

“Genau, auf dieser Mission sind die diplomatischen Fähigkeiten eines Domin…”

“Auch du bleibst hier”, Aeryn blickte ihn finster an.

“Du verursachst genauso viel, wenn nicht noch mehr Ärger, als diese kleine Tralk.”

Chiana, die sich gerade grinsend zu dem Dominar wandte, verfinsterte ihren Blick als sie Aeryn’s Worte hörte.

“Was soll das?” fragte sie wütend.

“Chiana, sei ruhig.” D’Argo trat auf sie zu und legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm.

“Warum muss ich mich immer von ihr so behandeln und bezeichnen lassen?” Chiana schüttelte wütend die Hand ab und drehte sich zu Aeryn um, die sie nur herablassend ansah.

“Du bist ein kleine Tralk und du verursachst ständig irgendwelchen Ärger”, ließ sie sich dazu herab, Chiana zu antworten.

“Darf ich dich daran erinnern, das ihr zwei noch vor vier Tagen meinen Prowler gestohlen und ihn bei eurem sinnlosen Ausflug auch noch beschädigt habt?” Herausfordernd sah sie zwischen Chiana und Rygel hin und her.

Keiner der beiden sagte mehr ein Wort und Chiana ließ sich von Zhaan aus dem Raum bringen.

* * *

Die Zeit bis zur Ankunft bei dem Planeten verging rasch. Alle waren mit Vorbereitungen beschäftigt.

Zhaan war bei Pilot und Moya und versuchte, ihre Schmerzen etwas zu lindern.

Sie alle wussten, das es von ihrem Glück abhing, das dieser Planet Clorium für sie hatte, welches sie so dringend brauchten.

John verließ sein Quartier, in dem er gerade ein paar Worte in sein Diktiergerät an seinen Vater gerichtet hatte. Er versuchte immer noch, eine gewisse Nähe zur Erde aufrecht zu erhalten, und diese kleinen Gesten halfen ihm dabei.

Jetzt fühlte er sich bereit, einer neuen Herausforderung entgegen zu treten, und machte sich auf den Weg zur Brücke.

Dort war Aeryn – mal wieder in einen Streit mit Chiana verwickelt.

John sah, das es nicht mehr viel brauchte um Aeryn erneut wütend werden zu lassen.

Er konnte sich aber auch eines gewissen Respekts über Chiana’s Mut, sich immer erneut mit der Ex-Peacekeeperin anzulegen, nicht verwehren.

Vielleicht war es aber auch nur ihr jugendlicher Leichtsinn und die damit zusammenhängende Unbekümmertheit, die Chiana so munter drauflos plappern ließ.

Diese kleine Tralk (er gab Aeryn recht, manchmal war sie das wirklich) hatte keinerlei Scheu, zu versuchen, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Im Moment war sie darum bemüht, mit auf den Planeten zu gehen, und Chiana wusste, das es nötig war, Aeryn zu überzeugen, dann würden auch die Anderen zustimmen.

“Nein”, kam von dieser erneut eine resolute Ablehnung.

“Aber ich kann euch bei Verhandlungen helfen”, warf Chiana ein. “Ich bin gut darin, Männer davon zu überzeugen, mir zu geben was ich haben will.”

“Daran zweifle ich bestimmt nicht” meinte Aeryn. “Aber du bleibst dennoch hier. Meist hat man es nämlich gleich mit einen ausgewachsenen Streit zu tun, wenn du einen Mann von irgendetwas überzeugt hast. Wir können es nicht gebrauchen, aufzufallen und mit dir an unserer Seite wird das gewiss passieren.”

“Hey, aus deinem Munde fasse ich das als ein Kompliment auf.” Chiana grinste Aeryn frech an.

“Tu, was du nicht lassen kannst, aber verschwinde endlich. Ich habe noch einiges zu tun. Du bleibst hier und damit ist das Thema endgültig erledigt. Und solltest du noch einmal davon anfangen”, sagte sie mit einen unheilschwangeren Blick auf Chiana, “verspreche ich dir, ich werde dich in deinem Quartier einsperren – gefesselt und geknebelt ohne die Möglichkeit, dich zu befreien, bis alles erledigt ist. Glaube mir.”

Damit drehte sie sich wortlos ab, und Chiana, die gerade noch den Eindruck machte, etwas erwidern zu wollen, überlegte es sich anders, drehte sich mit einem Schulterzucken und einem gemurmelten ‘Ich will von diesem Schiff’ um und ging.

“Du hast sie vertrieben.” John betrat die Brücke, nachdem Chiana an ihm vorbei rauschte und ihm nur einen giftigen Blick zuwarf.

“Sie nervt”, kam die knappe Antwort von Aeryn.

“Ich weiß.” Crichton trat näher.

“Sie will doch auch nur ihren Teil beitragen”, versuchte er, Aeryn von Chiana’s guten Absichten zu überzeugen.

“Sie will lediglich Vergnügen für sich und wenn möglich irgendwelche Vorteile dabei herausschlagen. Sie ist wie Rygel, die beiden sind ein perfektes Paar.” Aeryn gab weiter Befehle in die Konsole ein und John merkte, das sie noch gereizt war.

“Nein, sie will sicher nur helfen.” Noch einmal versuchte er, für seine graue Freundin Partei zu ergreifen, aber Aeryn’s Blick ließ ihn das Thema wechseln.

“Okay, wie nah sind wir?” fragte er.

“Wir sind in weniger als zwei Arn dort, und im Moment sieht es viel versprechend aus. Es ist definitiv ein Commerce Planet und er ist gut bevölkert, wenn auch nicht in dem Maße, wie ich erhofft hatte.”

Aeryn wusste, je größer die Bevölkerung auf einem Planeten war, desto größer waren auch die Chancen, dass man das, was man begehrte auch bekam – zu einem fairen Preis.

“Gut. Wir werden also auf unser Glück und nette Händler vertrauen und versuchen, ein Schnäppchen zu machen.” John rieb die Hände aneinander und sah sie mit einem Lächeln an.

Aeryn sah ihn mit leicht gerunzelter Stirn an.

Sie öffnete den Mund um eine Erwiderung zu geben, schloss ihn aber mit einem Kopfschütteln wieder und einen Moment lang sahen sie sich einfach nur an, bevor Aeryn hastig den Blick auf das Pult vor ihr sinken ließ.

John sah sie fieberhaft irgendwelche Tasten drücken.

Aeryn war immer noch so reserviert und unterkühlt, wie am Beginn ihres unfreiwilligen Zusammenlebens.

Nach all der Zeit, die sie alle schon auf Moya waren, war es Aeryn, die von allen am stillsten und verschlossensten war. Manchmal ließ sie für einen kurzen Moment die Maske der knallharten Frau, die mit allem allein zurecht kam fallen, nur um danach noch verschlossener als zuvor zu sein.

Er spürte die Spannung zwischen ihnen beiden ganz deutlich und war nicht sicher, was er tun sollte.

Doch in Anbetracht der doch recht komplizierten vor ihnen liegenden Aufgabe, wollte er sie nicht noch mehr aus dem Konzept bringen, und daher entschloss er sich zum taktischen Rückzug.

“Ich gebe den Anderen Bescheid und werde mich dann mit D’Argo zum Hangar begeben und den Transporter startklar machen. Kommst du dann nach?”

Aeryn, froh, das Crichton eine unverfängliche Richtung eingeschlagen hatte, atmete langsam aus. Erst jetzt merkte sie, das sie die Luft angehalten hatte.

Einen Moment lang hatte sie geglaubt, diesen gewissen Unterton aus seiner Stimme herausgehört zu haben, den er immer anschlug, wenn er glaubte, es wäre an der Zeit, eines seiner Gespräche über die Art ihrer Freundschaft zu führen.

“Ja, natürlich. Ich gebe noch Winkel und Geschwindigkeiten ein und berechne den besten Landeplatz, sobald wir nahe genug sind und komme dann sofort nach.”

John hatte natürlich gemerkt, das Aeryn’s Anspannung wieder nachgelassen hatte.

Im Gehen konnte er es sich daher nicht verkneifen, sie an ihr ausstehendes Gespräch zu erinnern.

Aeryn sah ihm fassungslos nach, während er, mit einem Auflachen die Kommandobrücke verließ.

* * *

Einen Arn später fanden sich nach und nach alle im Hangar ein um D’Argo, Aeryn und John zu verabschieden und viel Glück zu wünschen.

John, der mit D’Argo schon eine Weile hier zugange war, bemerkte, wie Aeryn den Hangar betrat.

Als sie sich kurz umsah, bemerkte sie seinen Blick, erwiderte ihn jedoch nur kurz und ging dann zum Transportpod, um alles noch einmal selbst zu überprüfen.

John sah Zhaan, die angespannt in einer Ecke stand und als sich ihre Blicke trafen, sah er Furcht in ihren Augen.

Er wusste, wenn etwas schief ging, war es an Zhaan, sich um die anderen zu kümmern. Er wusste auch, das Rygel und eventuell auch Chiana Moya und Pilot verlassen würden, wenn es zum Äußersten käme, Zhaan jedoch würde bleiben und sie notfalls bis in den Tod begleiten.

Trotz seiner eigenen Zweifel, ging er mit der Absicht zu ihr hinüber, sie zu beruhigen.

“Es wird alles gut werden. Wir werden das Clorium besorgen und unversehrt hierher zurückkehren”, versuchte er sein Glück.

Mit einem Lächeln sah Zhaan ihn an

“Ich weiß, das ihr alles in eurer Macht stehende tun werdet, das macht mir auch keine Sorge”, sagte sie.

“Sondern?” fragend schaute er sie an, wusste aber, was sie sagen würde.

“Das ihr scheitert, und dabei verletzt werdet, oder sogar getötet.” Traurig sah sie ihm in die Augen.

“Allein das wäre fast unerträglich. Und dann die Verantwortung für Moya, Pilot und die anderen beiden zu tragen, ist glaube ich mehr, als ich vermag.”

“Nein Zhaan.” John erwiderte den Blick.

“Du bist von uns allen die psychisch Stärkste. Du hältst uns in unseren Streitereien und Zweifeln zusammen. Du bist diejenige, die das Leben hier für alle angenehm gestaltet, indem du für uns da bist, ohne Unterschied.”

“Ich werde tun, was nötig ist, sollte es soweit kommen. Aber vorher werde ich zur Göttin beten, das ihr heil zurückkehrt.”

“Ja, mach das, schaden kann es nicht”, sagte John und zwinkerte ihr kurz zu.

Zhaan lächelte und für einen Moment war es ihm tatsächlich gelungen, ihre Zweifel zu zerstreuen.

D’Argo war zu Chiana hinüber gegangen, die immer noch leicht beleidigt in Aeryn’s Richtung schaute.

Gerade, als er sie ansprechen wollte, kam Rygel in seinem Gleitthron daher und sprach ihn an.

“Ich denke ja nicht, das ihr ohne meine diplomatische Hilfe auskommen werdet, aber wenn ich dir einen Rat geben soll…”

“Nein, Rygel. Das sollst du nicht.” D’Argo sah grimmig auf den Dominar herab.

“Ich wollte doch nur mein Wissen an dich weitergeben, aber ich sehe, es ist sinnlos, einem grobschlächtigen Krieger etwas über Diplomatie erzählen zu wollen. Ich hoffe nur, sie lassen dich nicht die Verhandlungen führen, denn dann sind wir verloren.” Hochnäsig sah er den Luxaner an.

“Ich sage dir eines über Diplomatie, du kleiner Wurm.” D’Argo musste sich sehr beherrschen, Rygel nicht mitsamt seines Stuhles durch den Raum zu stoßen.

Er beugte sich noch etwas tiefer zu Rygel hinab und sagte in einem leisen, aber furchteinflössenden Tonfall, der den Dominar in seinem Stuhl zusammensinken ließ: “Sollte nach meiner Rückkehr auch nur der kleinste Gegenstand aus meinem Quartier fehlen, werde ich dich aus dem nächsten Schott befördern, und ich verspreche dir, dabei dann auch sehr diplomatisch vorzugehen.” Damit drehte er sich Chiana zu und beachtete Rygel nicht weiter.

Dieser gab auf die Worte D’Argo’s auch keine Erwiderung, sondern begab sich schmollend und vor sich hin schimpfend außer Reichweite.

“Bitte, D’Argo, nehmt mich mit”, wandte sich Chiana flehend an ihn. “Ich verspreche auch, keinen Ärger zu machen und mich im Hintergrund zu halten.”

“Nein Chiana. Du weißt, dass es nicht geht. Das Risiko ist so schon zu hoch.” D’Argo’s Stimme nahm einen sanften Tonfall an, sobald er mit Chiana sprach.

“Und außerdem musst du hierbleiben, um Zhaan zu unterstützen. wenn etwas schief geht, musst du ihr helfen. Rygel wird es gewiss nicht tun.” Wieder etwas mehr Schärfe in der Stimme, als er Rygel’s Namen erwähnte, legte er seine Hand auf Chiana’s Arm.

“Ich verspreche dir”, sagte er mit einem Blick in ihre Augen, “wenn alles vorbei ist, bist du die Erste, die auf den nächsten Planeten darf.”

Chiana legte eine Hand über seine und einen Moment lang vergaßen beide beim Blick in die Augen des anderen alles um sich herum.

Dann war der Moment vorbei und D’Argo räusperte sich verlegen.

“Ich nehme dich beim Wort”, sagte sie schelmisch zu ihm und lächelte ihn an.

“Ehm, tja, ich muss dann mal los”, D’Argo räusperte sich erneut und wandte sich dann mit einem letzten Blick auf Chiana zum Transporter.

Währendessen ging Aeryn mit Pilot, der die Abschiedszenen über den Bildschirm verfolgte nochmals die Details durch.

“Wenn wir Moya verlassen haben”, sagte sie, “begebt ihr euch sofort außer Reichweite und wartet unsere Meldung ab, wie alles läuft.”

“Ja, das werden wir, Officer Sun.” Pilot nickte ernsthaft und prägte sich alle Anweisungen sorgfältig ein.

“Gut. Es wird hoffentlich nicht allzu lange dauern.” Aeryn sah auf.

“Wenn etwas schief gehen sollte Pilot, dann werdet ihr sofort von hier verschwinden, verstanden? Keine Rettungsaktionen. Ihr müsst dann versuchen, so schnell wie möglich einen neuen Planeten zu finden.” Sie sah ihn eindringlich an.

Pilot erwiderte den Blick und nickte dann langsam. Sie beide wussten, das es keine zweite Chance geben würde.

Würden sie es nicht schaffen, auf diesem Planeten an Clorium zu kommen, war das für Moya und auch Pilot das Todesurteil.

Doch beide sprachen es nicht laut aus.

Aeryn nickte zufrieden und drehte sich um, um sich an Bord zu begeben, als die Stimme Pilot’s sie stoppen ließ.

“Moya dankt euch nochmals für eure Unterstützung und Hilfe in den letzten Tagen. Sie weiß natürlich, das sie es euch auch nicht immer leicht gemacht hat, und entschuldigt sich für alle Unannehmlichkeiten, die sie und auch ich euch eventuell bereitet haben.”

Alle sahen zu Pilot hinüber und John war es, der die Stille unterbrach.

“Ihr müsst euch für gar nichts entschuldigen, Pilot. Ihr zwei, ihr seid unser Zuhause, wir werden alles tun um euch zu helfen. Sag das Moya bitte.”

“Sie hat es gehört Commander und es wäre uns eine Ehre, wenn das alles vorbei ist, weiterhin als euer Heim zu dienen, wenn ihr es wollt.”

“Bei der Göttin”, ließ sich Zhaan vernehmen, “natürlich wollen wir das.” Sie lächelte Pilot zu.

“Wir müssen jetzt los.” Aeryn ging auf den Transporter zu und D’Argo und John schlossen sich ihr an.

Die anderen verließen den Hangar und die die Schotts schlossen sich langsam. Als sie geschlossen waren, leitete Aeryn den Start ein und die Drei verließen Moya und nahmen Kurs auf den Commerce Planet.

Commerce Planet

Aeryn und D’Argo lieferten sich weiterhin ein Schussgefecht mit den Soldaten, während John das Clorium im Transporter verstaute.

Als er damit fertig war, schnappte er sich ebenfalls seine Pulse Pistol und sprang mit einem Satz aus dem Pod und feuerte noch während des Sprungs in Richtung der Angreifer.

Allerdings waren seine Schiesskünste bei weitem nicht so gut, wie die von Aeryn und D’Argo, was ihm somit einige giftige Blicke der beiden einbrachte, die jetzt auch noch vor seinen Salven in Deckung gehen mussten.

“Wir müssen schnellstens hier weg”, rief Aeryn.

“Crichton los, mach den Pod startklar, wir halten dir den Rücken frei und kommen dann nach.”

John lief also wieder zurück zum Transporter und fast genauso schnell, wie er herausgekommen war, sprang er die Stufen wieder hinauf. Begleitet von der Angst, gleich mit einer Kugel im Rücken zu enden.

Doch D’Argo und Aeryn machten ihren Teil der Arbeit gut, die Angreifer waren so damit beschäftigt, die Schüsse der beiden Krieger abzuwehren, das sie John gar nicht beachteten.

Er warf sich in Aeryn’s Sitz und schaltete die Instrumente auf Startposition.

Dann ließ er die Triebwerke hochfahren und hoffte, das es den beiden draußen gelingen würde, heil in den Transporter zu gelangen.

Als D’Argo die Triebwerke hörte, gab er Aeryn das Zeichen zum Rückzug, und während sie abwechselnd auf die Soldaten schossen, näherten sie sich dem Pod.

Aeryn schaffte es, unbehelligt die Treppe hinauf und in den Transporter.

Als D’Argo die letzten Stufen erreicht hatte, schrie er plötzlich auf und stolperte mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Pod.

John, der aufgesprungen war und den Platz für Aeryn freigegeben hatte, lief zu D’Argo hinüber.

“Was ist los? Bist du getroffen? Ist es schlimm? Wo bist du getroffen?” Er prasselte mit Fragen auf D’Argo ein, der nur ermattet die Hand hob und ihm Einhalt gebot.

“Ich glaube, es ist halb so schlimm, ich bin an der Schulter getroffen. Sieh bitte nach.” Er drehte sich halb zur Seite und verzog das Gesicht, als John vorsichtig die Kleidung beiseite schob um die Wunde zu begutachten.

Aeryn fuhr indessen alle Betriebssysteme auf volle Power und warf nur kurz einen Blick zu ihren beiden Passagieren, um sich gleich darauf wieder voll auf die vor ihr liegenden Aufgabe zu widmen.

“Haltet euch gut fest”, rief sie noch und dann hob der Transportpod ab.

John hatte mittlerweile seine Untersuchung beendet.

“Und?” D’Argo sah ihn fragend an.

“Hell”, kam die Antwort. “Du wirst es überleben, das Blut fließt hell.”

“Gut. Dann wäre es nett, wenn du aufhören würdest, dich auf die Schulter zu stützen und wir uns indessen irgendwo festhalten würden, denn das, was Aeryn da gerade tut, sieht ziemlich verrückt aus”, knurrte D’Argo und schüttelte John’s Gewicht ab.

Dann stand er auf und schleppte sich unter Flüchen zu seinem Sitz, in dem er sich schleunigst anschnallte.

Auch John hatte sich mittlerweile festgeschnallt, denn der Grund, warum er sich geistesabwesend auf D’Argo gestützt hatte, war ein Blick aus dem Fenster gewesen.

Aeryn war mittlerweile mit dem Pod in der Luft, doch anstatt so schnell wie möglich außer Reichweite der riesigen Kanone und des Militärs zu kommen, machte sie genau das Gegenteil.

Im Moment steuerte sie direkt auf das große Geschoss zu und wurde immer schneller.

John wusste nicht, ob er fasziniert oder entsetzt sein sollte, aber er kam nicht dazu, in irgendeiner Form zu reagieren, denn schon waren sie bei der Kanone angekommen und Aeryn flog den Transporter in einer atemberaubenden Geschwindigkeit in der niedrigsten Höhe, die eine Kollision gerade noch verhinderte, über diese hinweg.

Auch die Soldaten standen wie versteinert da und sahen entsetzt zu, wie der Transportpod über sie hinweg raste. Dieser Schreckensmoment war es sicherlich, der den Dreien das Leben rettete.

Die Druckwelle, die dadurch verursacht wurde, warf alle umstehenden Soldaten und auch das Geschoss um, und ermöglichte die ersehnte Flucht.

Aeryn flog eine Schleife und entfernte sich dann immer weiter von dem Planeten.

* * *

“Ehm, das war…. Wahnsinn.” John schnallte sich ab und stand auf.

Mit immer noch leicht wackligen Knien ging er ein paar Schritte und wandte sich dann an Aeryn.

“Das war halsbrecherisch, aber genial. Wie bist du darauf gekommen?” fragte er.

Aeryn steuerte weiter den Pod Richtung ihres Treffpunkts mit Moya.

Sie drehte sich kurz um, und blickte John an.

“Ich bin Pilotin, schon vergessen? Bei den Peacekeepern war es üblich, viele Manöver zu üben. Wenn es auch so gut wie nie vorkam, das die Waffen unserer Prowler ausfielen, oder defekt waren, war es doch Teil des Trainingsprogramms, solche Tiefflüge zu üben.”

“Ja, und somit auch den Überraschungseffekt zu nutzen”, sagte D’Argo, der sich inzwischen auch aus seinem Sitz erhoben hatte und mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht die anderen beiden ansah.

“Genau”, Aeryn drehte sich ihm zu. “Wie geht es dir?”

“Ich bin soweit in Ordnung, die Blutung hat aufgehört und ich denke, in ein paar Solartagen ist meine Schulter so gut wie neu. Das war gute Arbeit Aeryn” sagte er.

“Danke. Ich werde Pilot verständigen, das er uns hier treffen kann, damit wir anfangen können, ihnen zu helfen” sie drehte sich wieder den Kontrollen zu und schickte einen Funkspruch zu Pilot.

Dieser antwortete fast sofort und gab bekannt, das sie sich in etwa 100 Microts treffen würden.

“Zhaan kann sich dann auch gleich deine Schulter ansehen”, sagte John mit Blick auf D’Argo.

“Das wird warten müssen, bis wir Moya geholfen haben. Es ist nicht so schlimm, das sagte ich doch schon.” Der Luxaner erstickte jeden weiteren Einwand John’s mit einem strengen Blick.

John ließ es dabei bewenden, er wusste, wenn Chiana und vor allem Zhaan die Wunde sehen würden, gäbe es kein Entkommen mehr für D’Argo und er würde sich den Heilkünsten der Delvianerin unterwerfen müssen.

Crichton’s Lippen umspielte ein kleines Lächeln, als er zu seinen beiden Gefährten sah.

Sie hatten es geschafft, das Clorium zu besorgen. Wieder einmal waren sie einer ziemlich ausweglosen Situation fast unverletzt entkommen.

Stolz sah er zu Aeryn.

Ihren waghalsigen Flugkünsten hatten sie es zu verdanken, das sie nicht als Kanonenfutter geendet waren.

‘Die Peacekeeper sind wirklich zu bedauern’, dachte er. ‘Und ich zu beneiden.’

Damit verwandelte sich das Lächeln in ein ausgewachsenes Grinsen.

“Dort sind sie”, Aeryn unterbrach seine Gedanken, indem sie auf Moya hinwies, die jetzt immer größer werdend im Fenster erschien.

Sie warf Crichton einen fragenden Blick zu, sie hatte sein seltsames Lächeln bemerkt, sagte aber nichts weiter dazu, sondern wandte sich um und steuerte den Transportpod in den Hangar, wo sie schon aufgeregt von Zhaan, Chiana und Rygel erwartet wurden.

Drei Tage später

Sie hatten das Clorium an allen befallenen Stellen auf Moya verteilt – eine Aufgabe für die sie fast zwei Tage gebraucht hatten.

Doch es hatte sich gelohnt. Moya erholte sich zusehends und auch Pilot war wieder fast der Alte. Schon war er damit beschäftigt, den DRD’s Anweisungen zu geben und Moya aufmerksam zuzuhören, um eventuelle Schwachstellen zu finden.

D’Argo war wie vorhergesagt von Zhaan behandelt und von Chiana regelrecht bemuttert worden und auch seine Wunde würde bald verheilt sein.

D’Argo und Chiana saßen in der Kombüse bei Rygel und diskutierten die vergangene Zeit bei einem wohlverdienten Mahl.

John, der gerade dort vorbeikam, auf der Suche nach Aeryn, hielt inne und sah lächelnd zu ihnen hin.

“Es ist gut, wenn wieder alles normal ist, nicht wahr?”

Erschrocken wandte sich John Zhaan zu, die leise an ihn herangetreten war.

“Ja”, sagte er und blickte wieder lächelnd in den Speisesaal. “Du hast recht, es ist am Besten, wenn es allen hier gut geht und wir scheinen es mal wieder überstanden zu haben.”

Chiana ließ ein helles Lachen hören und Zhaan und John sahen sich zufrieden an.

Rygel machte mit vollem Mund eine unverständliche Bemerkung, woraufhin auch D’Argo in das Lachen einfiel.

Chiana sah auf und bemerkte John und Zhaan auf dem Korridor.

“Kommt herein, hier ist noch genug zu essen.” Mit einer einladenden Handbewegung wies sie auf den reichgedeckten Tisch.

Zhaan machte einige Schritte auf die Anderen zu, bevor sie bemerkte, das John ihr nicht folgte.

Sie drehte sich wissend zu ihm um und sah ihm in die Augen.

“Sie wollte trainieren und nach ihrem Prowler sehen.”

John setzte ein jungenhaftes Grinsen auf.

“Ich werde sie schon finden, sagte er mit einem Augenzwinkern. “Sie schuldet mir ein Gespräch, und das weiß sie ganz genau.”

Damit drehte er sich um und machte sich auf den Weg zum Hangar, während Zhaan sich zu Chiana, D’Argo und Rygel gesellte, der schon wieder versuchte, mit vollem Mund von seinen Heldentaten in den vergangenen Tagen zu prahlen.

Terrasse

Nachdem er sowohl ihren Trainingsplatz, als auch den Hangar vergeblich nach ihr abgesucht hatte, fand er sie hier.

Sie saß einfach nur da.

Keine Regung war zu spüren und es herrschte völlige Stille. Sogar die DRD’s, die sonst eigentlich immer in Bewegung waren, schienen eine Pause eingelegt zu haben und ruhten still in Aeryn’s Nähe.

John war sich sicher, dass das Pilot’s Werk war. Stumm dankte er Moya’s Piloten für diese kleine Geste.

Er stand eine lange Zeit einfach nur da und betrachtete Aeryn’s Rücken, der allein für ihn schon wunderbar anzusehen war.

Während er noch darüber nachdachte, wie er sich am besten bemerkbar machen sollte, ohne störend zu wirken, nahm Aeryn ihm diese Entscheidung ab.

“Ich weiß das du da bist.” Resigniert senkte sie den Kopf.

John musste ob ihres Instinktes lächeln. Es war wirklich schwer, sich der Ex-Peacekeeperin zu nähern, ohne das sie etwas bemerkte.

“Was ist los?” Er kam langsam näher. “Wir haben es dank deiner Hilfe geschafft. Moya und Pilot sind gerettet.” Er setzte sich zu Aeryn, die sogleich ein Stück vom ihm abrückte.

“Es ist nichts. Ich möchte eigentlich nur etwas allein sein. Aber gut, unterhalten wir uns.” Aeryn wandte ihm kurz den Blick zu und John sah Resignation darin.

Verstört überlegte er, wie er beginnen sollte, doch wieder war es Aeryn, die zuerst sprach.

“Ich weiß, du willst dein Gespräch einfordern, Crichton. Du bestehst immer darauf, das unerledigte Dinge beendet werden. Und das ist eine wirklich gute Eigenschaft.” Sie holte kurz Luft und sah ihn dann direkt an.

“Aber bevor du beginnst, ein langes Menschengespräch mit mir zu führen, solltest du mir zuhören.”

John wollte etwas erwidern, aber Aeryn ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen.

“Ist das okay?” Eindringlich blickte sie ihn an. “Ich habe keine Ahnung, wie lange ich noch den Mut habe, zu sagen, was ich sagen möchte, also solltest du mir jetzt zuhören.”

Sie machte eine kleine Pause.

Crichton hatte Angst vor dem, was sie zu sagen hatte, aber er wusste, Aeryn machte nie viele Worte und wenn sie jetzt mit ihm reden wollte, war das etwas sehr Wichtiges und außerdem war ein Gespräch ja seine Idee gewesen. Er sah sie an und nickte.

Erleichtert atmete sie aus.

Aeryn stand auf und begann umherzugehen. Sie konnte einfach nicht neben ihm sitzen bleiben, nicht bei dem, was sie ihm zu sagen hatte.

Sie blieb vor John stehen und sah auf ihn herab. Dann drehte sie ihm den Rücken zu und begann zu sprechen.

“Es ist nicht leicht für mich, musst du wissen. Ich kenne dich jetzt seit knapp einem Zyklus und wir haben in dieser Zeit eine Menge Dinge erlebt. Auch wenn ich es nicht will, muss ich zugeben, das die Zeit uns gewissermaßen verbunden hat”, sie stoppte kurz.

“Und zwar uns alle. Zhaan, D’Argo, Rygel, Chiana und natürlich Moya und Pilot sind mir mittlerweile vertrauter als es meine Peacekeepereinheit früher war. Und ich mag sie – etwas was mir früher nie in den Sinn gekommen wäre.”

Aeryn wandte ihren Blick für einen kleinen Moment John zu, bevor sie wieder ins Leere zu blicken schien.

“Du bist in dieser ganzen Ansammlung seltsamer Wesen für mich die verwirrendste Person. Du siehst aus wie ein Peaceekeeper und bist doch so… anders. Du hast keine Ahnung, wie die Welt hier funktioniert und bist ständig in irgendwelchen Gefahrensituationen, aus denen wir dich retten müssen. Nicht, das du bewusst etwas dafür kannst”, sie entschuldigte sein Verhalten sofort, “aber deine unwissende Art macht dich hier zur garantierten Zielscheibe.”

“Aeryn…” John wollte etwas einwenden, denn der Verlauf des Gespräches wurde ihm unheimlich.

“Nein, John”, sie sah ihm fest in die Augen. “Du willst immer reden. Nun bin ich an der Reihe und du hörst zu.”

Aeryn fing wieder an, hin und her zu laufen, bevor sie erneut zu sprechen begann.

“Jetzt ist auch noch Scorpius hinter dir her, wegen deines Wurmlochwissens. Du schaffst es, dir die schlimmsten Feinde zu schaffen und bringst damit unser aller Leben in Gefahr.”

Sie nahm wieder neben ihm Platz und wandte sich ihm zu.

“Du willst das alles nicht, das weiß ich.” Sie lächelte ihm kurz zu. “Aber trotz allem tust du es. Für mich ist das nicht so schlimm, ich bin Soldatin – war es zumindest – und mit der Gefahr vertraut. Aber die Anderen, von D’Argo einmal abgesehen, sind unschuldig, was diese Situationen betrifft. Und ich will sie nicht weiter solchen Gefahren ausgesetzt sehen.”

“Das will ich auch nicht, Aeryn – glaub mir”, John war mittlerweile verzweifelt. Für ihn nahm diese Unterhaltung eine immer unangenehmere Wendung an. “Auch ich will, das wir nicht mehr verfolgt werden, mehr als alles andere.” Er sah sie eindringlich an.

Zwei Dinge erstaunten ihn immer mehr. Zum einen war es Aeryn’s Bereitschaft, so offen zu ihm zu sprechen. Zum anderen war es ihr Einsatz für das Wohl der Anderen. Er wusste, das die Crew ihr ans Herz gewachsen war, und es machte ihn stolz, das sie ihm von ihren Gefühlen erzählte.

“Nein John, das ist nicht wahr”, Aeryn unterbrach seine Gedanken. “Ich weiß natürlich, das du keinen von uns einer Gefahr aussetzen willst. Dir stehen die Anderen noch weitaus näher als mir. Aber du lügst, wenn du sagst, das du das mehr als alles andere willst.”

Crichton wusste nichts zu erwidern, denn er wusste nicht, was sie mit ihren Worten meinte und wartete auf ihre weiteren Erklärungen.

Sie ergriff erneut das Wort.

“Mehr als alles andere willst du nach Hause John. Das ist seit deiner Strandung hier bei uns dein Primärziel.”

“Aber Aeryn, warte…” John versuchte, sie zu unterbrechen.

“Nein, lass mich zu Ende reden – bitte.” Sie sah ihn flehentlich an.

“Ich weiß, das dir deine Heimkehr am wichtigsten ist. Seit über einem Jahr suchst du nach einem Weg, der dich nach Hause bringt. Das ist gut so. Du solltest wieder zurück, denn hierher passt du beim besten Willen nicht. Aber so, wie es jetzt ist, kann es nicht weiter gehen.”

“Aeryn jetzt…” John wollte wieder ansetzen, doch erneut unterbrach sie ihn.

“Sag nichts Crichton, ich weiß, du empfindest es sicher anders, aber selbst du kannst tief in deinem Herzen nur zustimmen”, trauig blickte sie ihm in die Augen.

“Ich werde jetzt aber etwas sagen, denn schließlich hast du mich beschuldigt, alles zu riskieren, damit ich nach Hause kann.” Auch John war mittlerweile aufgestanden.

“Das Schlimme daran ist… du hast recht.”

Er schaute Aeryn an, deren Haltung ein deutliches ‘Hab ich es nicht gesagt?’ ausdrückte.

* * *

“Aber andererseits liegst du völlig falsch”, sagte John.

Aeryn wollte etwas erwidern, doch diesmal schnitt er ihr mit einer knappen Geste das Wort ab.

“Nein, lass mich erklären – bitte. Das wäre nur fair, meinst du nicht auch?” Aeryn nickte und nahm wieder Platz um sich anzuhören, was der Mensch ihr zu sagen hatte.

“Es stimmt, ich hätte fast alles getan um wieder nach Hause zu kommen.” John war nun derjenige, der umherwanderte, während er sprach.

“Aber auch nicht ALLES. Aeryn, ich weiß ich habe euch in die ein oder andere gefährliche Situation gebracht. Zum Teil wegen meines Dranges, wieder heimzukehren, zum anderen auch, weil ich mit den Situationen hier manchmal etwas überfordert bin.”

Aeryn musste wider Erwarten lächeln – John konnte gut untertreiben, denn ‘etwas überfordert’ hätte sie zu seinen Kamikazefähigkeiten bestimmt nicht gesagt.

Aber sie sagte nichts, sondern hörte sich seine weiteren Ausführungen an.

“Ich habe aber auch dazugelernt. In diesem Jahr bin ich schneller gereift, als in meinem ganzen bisherigen Leben auf der Erde.” Er sah zu ihr hin und kam dann näher.

“Ich habe meine Prioritäten verschoben Aeryn.” John kniete sich hin, so das er ihr in die Augen sehen konnte.

Sie erwiderte den Blick und wartete, was er noch sagen würde.

“Ich werde meinen Wunsch, eines Tages wirklich einen Weg nach Hause zu finden, nicht aufgeben. Zumal ich in 4 Zyklen ein Treffen mit Furlow habe, am Ende eines Wurmloches. Du erinnerst dich?” Fragte er mit einem Zwinkern.

“Ja, natürlich”, sagte Aeryn und verdrehte die Augen, als ihr die verrückte Mechanikerin und ihr gesamtes Abenteuer auf DamBaDa in den Sinn kam.

“Ihr seid aber jetzt mein Hauptanliegen”, John redete weiter. “Euer Wohlergehen ist mir wichtig und ich will euch nicht in Gefahr bringen.

“Aber das tust du John, auch wenn du es nicht möchtest.” Aeryn sah ihn traurig an. “Dein Wissen über Wurmlöcher ist im Moment unser größter Feind. Denn Scorpius wird nicht aufgeben, dich zu kriegen. Wir haben Crais am Hals und Scorpius noch dazu. Und er ist weitaus gefährlicher”

“Ich weiß.” John nahm ihre Hand.

Aeryn sah in an, aber sie zog ihre Hand nicht zurück.

Es war angenehm, ihre Hand in der seinen zu fühlen. Ein Gefühl, das sie lange nicht hatte und auch wenn sie es nicht zugab, sie genoss diese kleine Geste.

“Deine Sicherheit ist mir wichtiger als alles andere. Das weißt du hoffentlich mittlerweile. Ich werde nicht zulassen, das Scorpius dir etwas tut, oder auch den Anderen. Das würde er bereuen.” Sagte John im Brustton der Überzeugung.

Aeryn, etwas baff ob des Geständnisses, das John gerade gemacht hatte, lächelte.

“Was willst du gegen eine gesamte Armee ausrichten?” Fragend sah sie ihn an.

“Wenn einer der beiden uns in die Hände bekommt, haben wir kaum Aussicht auf Erfolg.”

“Dann darf das nicht passieren. Ich weiß, es gibt dafür keine Garantie, aber ich werde alles daran setzen, euch nicht zu gefährden.” John sah ihr erneut fest in die Augen. “Glaubst du mir, Aeryn?”

Schweigend sah sie ihn eine Weile nur an.

Dann nickte sie. “Ja, ich glaube dir. Ich werde dein Versprechen akzeptieren. Und dich bei Gelegenheit daran erinnern.”

John lächelte. Er wusste, er hatte gewonnen – für dieses Mal. Er hatte ihre Zweifel für einen kurzen Augenblick zerstreut, doch er wusste auch, das sie in der nächsten kritischen Situation wieder auftauchen würden. Und dann hätte er erneut ein Problem.

Doch jetzt sah er seine Chance gekommen, endlich zu sagen, weshalb er ursprünglich gekommen war.

“Aeryn, wir haben noch ein Gespräch zu führen, und da du gerade in der Stimmung bist, halte ich es für an der Zeit, über unsere Gefühle zu reden. Ich wollte dir…” er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden, denn Aeryn stand auf und unterbrach ihn rüde.

“Vergiss es Crichton! Wir haben genug geredet, und zwar für eine ganze Weile.”

Sie sah ihn im Weggehen kurz an.

“Sei froh, das ich dich so einfach davonkommen lasse. Ich werde nicht mit dir über Gefühle reden, nicht jetzt und nicht später. Für ein ernsthaftes Gespräch kannst du in einem Zyklus noch mal nachfragen.”

Damit drehte sie sich endgültig um und verließ die Terrasse – mit einem leichten Grinsen im Gesicht, das Crichton nicht sehen konnte.

Dieser jedoch war keinesfalls betrübt über Aeryn’s Abfuhr.

Ein Zyklus. Er wusste nun endgültig, sie war einverstanden damit, das er blieb.

Und er würde sein Gespräch einfordern… auch wenn es zwei oder drei Zyklen dauern würde.

Auch er verließ nun die Terrasse und machte sich in Richtung Kombüse auf um zu sehen, ob seine Kameraden ihm noch etwas zu Essen übrig gelassen hatten.

The End